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G u a d ä n y i .
k. k. Akademie in Wien ernannt, welche Stelle er noch gegenwärtig
auf das verdienstvollste bekleidet. Die erwähnenswerthesten seiner Wer-
ke sind : Das Altarblatt St . Mar t i n vorstellend, in der Kirche zu
Aspern an der Donau; die lebensgroßen Bildnisse des Erzherzogs Ru-
dolph, Cardinals zuOlmütz, des Grafen vonAlmasy u. a. In Land-
schaften hatte O. ebenfalls viel Geschmack und die Erzherzoge Carl und
Ludwig besitzen manches Gelungene in diesem Fache von ihm ,
auch versteht er die Radiernadel besonders gut zu führen, obschon nicht
mehr als 2 Blätter, nach Cigna n i , von seiner Hand vorhanden sind;
endlich ist er auch ein eifriger Sammler von werthvollen Gemälden und
Kupferstichen. Im Ganzen sind G.'s Compositionen edel, seine Zeich-
nung richtig und die Ausführung so gewissenhaft, daß er Andern immer
leichter genügte, als sich selbst und daher manche Gegenstände mehrmahls
abänderte, hingegen vermißt man die Architektur bey ihm ganz und sei-
ne Farbengebung erscheint etwas matt.
Guadanyi, I o s , Graf, Enkel des Marquis Alex. diGua-
dagni, der als kaiserl. General unter LeopoldI. in den Grafenstand
erhoben wurde. O. wurde den 16. Oct. 1725 zu Rudabänya im Bor-
soder Comitat geboren, genoß den ersten Schulunterricht zu Er lau,
wo er sich vor Allen in der Poesie auszeichnete; hörte an der Tyrnauer
Universität Philosophie, 1744 trat er als Fahnenjunker ins Infanterie-
Regiment Szirmap, und machte mit diesem 2 Schlachten wider die Preu-
ßen in Schlesien, 5 wider die Franzosen und Spanier in Böhmen
und Italien mit; und ward 1747, als l.ie ungarischen Truppen über
den Var, in die Provence einfielen, von den Franzosen gefangen, nach
To ulo n gebracht, nach einem Monath aber schon ausgelöst. Als nach-
her die Armee sich zurückziehen mußte, empsing G. bey Gelegenheit der
Einnahme der Varbrücke, am Fuß eine Schußwunde, ward nach Sa-
vona gebracht, von wo er, wieder hergestellt, nach 13 Wochen ins
Lager bey Genua zog und zum Hauptmann befördert wurde. 1752
trat er als Escadrons-Rittmeister zur Cavallerie über. Nachdem er den
siebenjährigen Krieg mitgemacht, und sich ois 1773 schon zum General
emporgeschwungen hatte, trat er 10 Jahre darauf als General der Ca-
vallerie in Ruhestand, und lebte von nun an in seinem Sanssouci zu
Skalitz in Ungarn nur sich und den Wissenschaften. Seine poe-
tischen und historischen Werke, sämmtlich in diesem Zeitraume geschrie-
ben , belaufen sich über 20 Bände, deßhalb werden außer seiner
Weltgeschichte (Preßburg 1796 — 1813 , 9 Bände), nur die be-
deutenden poetischen Schriften, unter welchen ihm zuerst ein äußerst
großes Publicum und ausgebreiteten Ruf sei» I^iezlcei nntäi-iu» er-
warb, angeführt: Faluzi notäi-iusLudai uiaxaz», Preßb. 1790,2. Ausg.
eb. 1822. — I'alusi notäriuz' pokullia inenetele, Basel 1792.—
Falusi nolärius' elnielkedezei, tietegsege es Iialäla, eb. 1796, 2.
Aufl. 1822. Gleichen oder noch größern Beyfall fand: Konto ?al e5
(^r. Lenxovsliy Hlorix törteneteik, Preßb. 1793, 2. Aufl. 1816.
Außerordentliche Sensation aber machte seine satyrische Beschreibung des
Ofner Reichstages von 1790. (^' lnuzini» lnlvs,' <»i-ziä?'xvull'^uel
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie