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ernennen wollte. 1784 erhielt er daselbst den Doctorgrad. Im Früh-
ling des nächsten Jahres trat er seine Reise nach Paris an, woselbst er
mit dem entschiedensten Erfolg für seine Ausbildung alle Heilinstitute
und die Vorträge der Professoren feines Faches durch etwas über 1 Jahr
besuchte. Plötzlich ward er nach Spaa berufen, wo sein Gönner, der
Erzbischof, die Bäder gebrauchte, aber während dieser Zeit bedeutend
erkrankte. H. befolgte eilends den erhalteneu Auftrag, so ungern er
auch seine medicinischen Studien verließ, und behandelte den ehrwür-
digen Oberhirten mit solchem Geschick, daß dieser die ihm ausgeworfe-
ne Unterstützungssumme bedeutend erhöhte. — Nun kehrte H. nach Pa-
ris zurück, welches er aber schon im October wieder verließ, da er in Lon»
d on zu überwintern gedachte. Durch Empfehlungsbriefe Lord Cam eel-
ford's, des Freundes des Erzbischofs, und des kaiserl. Gesandten, Gra-
fen Rewiczky, ward es H. nicht schweI, die Bekanntschaft der vorzüg-
lichsten Männer seines Faches in England zu machen. — Im Iuny des
folgenden Jahres verfügte sich H. nach Salzburg, und trat sogleich
den Posten des erzbischöflichen Leibchirurgs an, mit welchem der Hof-
rathstitel, und eine Besoldung von 1000 st. verbünde» war. Salz-
burg zeichnete sich damahls durch einen blühenden literarischen Verkehr
und Liberalität der Ansichten aus, deren Fortbestand durch eine nahmhafte
Zahl schätzbarer Gelehrten gehegt wurde. Aufgefordert von mehreren Sei-
ten, entwarf H. den Plan einer medicinisch-chirurgischen Zeitschrift,
deren große Nützlichkeit ihm so lebhaft einleuchtete, daß er ungesäumt
zur Ausführung zu schreiten beschloß. — Seit 1790 erschien nuu das
treffliche Werk, dessen Redaction H. und Metzler durch 4 Jahr? ge-
meinschaftlich besorgten. Von 1794 an aber trennte sich diese Verbindung
und H. blieb ununterbrochen der alleinige Herausgeber. — Daß er als
solcher durch volle 18 Jahre das Vertrauen des Publicums rechtfertigte,
bewies die steigende Theilnahme desselben, uud der vermehrte Absatz;
fest, parteylos, unbestechlich sprach sich dieses Journal jederzeit über die
Zeichen der Zeit aus, über die wechselnden Systeme, über die Gründe
ihrer Verfechter. 1800 besorgte er die Aufsicht der Feldspitaler, dene»
selbst die Feinde Gerechtigkeit widerfahren ließen, indem sie dieselben als
die wohlgeordnetsten rühmten, welche sie jemahls gesehen hättcn. —Als
durch den Frieden von L ü n e v i l l e Salzburg an den Erzherzog F er°
dinand kam, organisirte dieser 1804 nach H.'s Idee einen Medicinal-
rath, und ernannte ihn zum Director desselben, und zum Vorstand des
medicinisch-chirurgischen Studiums an der dortigen Universität. — Nach
dem Frieden von P r e ß b u r g gelangte Salzburg an Osterreich, von
welchem H. schon früher auf das ehrendste gewürdigt worden war; denn
Kaiser Franz hatte ihm schon 1793 die große goldene Medaille und den
Nathstitel verliehen, und 2 Jahre darauf ein Geschenk mit einem pracht-
vollen Chiffrering in Brillanten gemacht, und ihn durch ein huldvolles
Handschreiben zur Fortsetzung seines gemeinnützigen Blattes ermuntert;
auch nun bewies ihm der Kaiser dieselbe Huld, und da Verhältnisse eine
Umstaltung des Systems forderten, ward H. zum Protomedicus und
zum wirkl. k. k. Regier ngsrath ernannt. Er starb den 25. May 1808.
Qesterr. Not. Vnc,,ll. Vd. l>. 33
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie