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d orf im Marchfelde. Nach zurückgelegtem Schulcursedaselbst würde l
seiner wohlklingenden Stimme wegen, als Sangerknabe zu Ni ko lsch,u rg
in Mahre» angenommen,, wo ei auch die Humanioren studirte. Nach
vollendetem philosophische» Curse 17ö6 trat er in das Benedictinerstift
Melk, legte den 2i . Nov. 1767 die Ordensgellibde ab und wurde den
29. Ocr. 1772 zum Priester geweiht. Seine vielseitige wissenschaftliche
Ausbildung, tie er, sich schon frühzeitig durch eifriges Selbststudium er-
worben hatte, verschaffte ihm bald die Stelle eines Director? der Nor-
malschule zu Melk, welche daselbst, lange rorher, ehe diese Schulen
gesetzlich eingeführt waren, errichtet wurde, zugleich wurdeH. auch zum
Visitator der umliegenden Schulen bestimmt. In dieser Stellung wirkte
er sehr viel Gutes und Nützliches. Er bereiste und visitirte die umliegen-
den neuenichteten Schulen mit großem Eifer, besprach sich mit den
neu angestellten Schullehrern, prüfte sie und theilte ihnen seine Mei-
nungen und Ansichten über die zu beobachtende Unterrichtsmethode be-
lehrend mit. Nachdem er auch durch mehrere Jahre Musik-Director im
Stifte, dann Hmnamtutslehrer am Gymnasium desselben gewesen war
und beyde Ämter mit vieler Auszeichnung verwaltet hatte, berief ihn
Kaiser Joseph, durch dessen AnordNANg das Gymnasium von Melk
nach St . Pölten verlegt worden war, als ersten Präfecten dahin. Hier
sammelte sich H. neue und große Verdienste, er sorgte auf. das eifrigste,
die studirenden, Jünglinge durch Lehre und Beyspiel zur Rechtlichkeit und
Sittlichkeit zu bilden, und munterte sie durch Ermahnung und freund-
liche Mittheilung zur Beharrlichkeit in ihren Studien auf, seine klei-
ne Bibliothek stand ihnen bereitwillig zu Diensten. Nach vierjähriger
rühmlicher Amtslcistung wurde er wieder in sein Stift zurückr-erufe»,
und ihm das Amt eines Priors, so wie die Ökonomie- Leitung des Enf»
tes übertragen. Hier erwarb er sich ebenfalls um Ackerbau, Garten-,
besonders aber Waldcultur große Verdiensie, indem er letztere in sehr
kurzer Zeit theoretisch und practisch so gründlich studirte, d.afi er bald
die wesentlichsten und zweckmäßigste!' Verbesserungen derselben zu Stan-
de brachte. 1799 erlangte H. die Würde eines Hofmeisters des Melker-
Hofes in Wien; das Clima dieser Stadt war ihm jedoch nicht zuträg-
lich, er begann zu kränkeln, ein hartnackiger Husten drohte selbst sei-
nem Leben Gefahr, die Ärzte riethen als das einzige Mittel den Genuß
der Landluft, und der damahlige Abt, Is id or übertrug ihm deßhalb die
Administration der Stiftiherrschaft Leesdorf bey Baden. Hier war
«s eigentlich, wo sich H.'s segenreiches Wirken noch mehr zeigte. Die
durch längere Zeit in jeder Hinsicht vernachlässigte Herrschaft schuf er
durch Fleiß, Kenntniß und kluge Benützung der Localitat iu sehr kurzer
Zeit zu einer der fruchtbringendsten und gesegnetsten. Öden wurden ur-
bar gemacht, die Felder und Wiesen verbessert, die Schloßgärten erwei-
tert, große Baumschulen angelegt, und Alles aufgebothen, um die
Cultur in jeder Hinsicht zur höchsten Vollkommenheit zu bringen. H>
correspondnte mit den berühmteste» Ökonomen und Pomologen des In-
und Auslandes, studirte ihre Schriften mit »„ermüdetem Fleiße, prüfte
Alles und wendete das Brauchbare practisch an. Auch ließ er, keine
Kosten scheuend, sich Samen, Früchte, Knollen, Bäume und Zweige
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie