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5W Herbert v. Ratkeal, Freyh. pet. Phil .
Klezl, Fleischhackel, Brünebarbe, Hammer, Ottenfels«.
morgenländisch gekleidet, und bemühten sich, seinem nachabmenswerchen
Beyspiele zu folgen. — H. war der letzte Minister, der als außerordentlicher
Gesandte den Tain, d. i. die Taggelder erhielt, welche die Pforte sonst außer-
ordentlichen Gesandten verabreichen ließ. Der Verzicht, den der nachdem
Frieden nach Constantinopel gesandte russ. Großbothschafter hierauf
gethan hatte, Und die späteren Forderungen eines holländischen Ambassa-
deurs bestimmten die Pforte, die ganze Begünstigung fürs Künftige auf-
zuheben. Fast zur selben Zeit verminderte sie auch den Werth der Be-
rate oder Freyheitsbriefe, von denen immer eine gewisse Anzahl den
an der Pforte residirenden Ministern zum Verkaufe heimgestellt ward.
Durch den Inhalt derselben wurden dem türkischen Unterthan, das ist,
dem Käufer, auf dessen Nahmen er lautete, die Begünstigungen und
Freyheiten eines Dolmetsches fränkischer Nation eingeräumt. — Die
zweyte Hälfte des Ministeriums H.'s an der Pforte, nähmlich seitdem Szi«
stower Frieden bis zu seinem Tode, war eben so unruhig, als die erste,
nähmlich von seinem Gesandtschaftsantritt bis zum Ausbruch des Krie-
ges in heiterer, stiller und begünstigter Thätigkeit verflossen war. Die
nach dem Szistower Frieden noch 3 Jahre lang nicht zu Stand gekommene
Granzberichtigung an der Unna, die Stürme der französischen Revolu-
tion, die über ganz Europa dahin fuhren, und (seit 1798)auch das os«
manische Reich zu erschüttern drohten, die letzte Theilung Polens,
der Krieg, der in den Niederlanden, Deutschland und Italien aufloderte,
die Bearbeitungen der polnischen Mißvergnügten, gaben Stoffes genug
zur rastlosesten Wirksamkeit. Seine Bemühungen wurden aber auch
mit Erfolg gekrönt. Er war die Seele der Minister der coalisirten Mächte
zu Constantinopel, und der wichtigste Gegner der französischen
Parthey, welche, wiewohl vonDeseorches undMouradgea o'Ohs-
so n angeführt, sich in fruchtlosen Bemühungen, die Pforte in den
Krieg zu verwickeln, erschöpfte. Lange hatte es ihm sogar gelungen den
Grafen von Choiseul in jener ersten Epoche der Revolution, als
Minister der französ. Prinzen, und hernach den Secretär desselben, Chal-
grain, als Geschäfsträger derselben, von der Pforte anerkennen zu ma-
chen. — Eine der schwierigsten und verdrießlichsten Unterhandlungen der
letzten Lebensjahre H.'s war die Entschädigung wegen der Barbaresken
und die Anwendung des Handlungs- und Barbaresken-Seneds auf die
durch den Friedensschluß von Campo-Formio neu erworbenen vene-
tianischen Staaten. Nach einer dreyjährigen Unterhandlung gelang es
endlich H., ein Pauschquantum als Entschädigung des zugefügten Scha-
dens zu erhalten, zugleich aber den weit größern Vortheil zu erwirken,
daß die Pforte ins Künftige die Sicherstellung aller kaiserl. Schiffe ohne
Ausnahme vor den Räubereyen der Barbareslen über sich nahm, und
diesen die gehörigen Befehle zufertigte. Graf Cobenzl, der Vice«
Hof- und Ttaatskanzler, benutzte den Erfolg dieses Geschäftes als einen
günstigen Augenblick, um fur seinen alten Freund ein längst verdientes
Merkmahl kaiserl. Huld und Gnade zu erhalten. Er ward zum wirkl.
geh. Rath ernannt, mit Nachsicht aller Taxen. — H. überlebte die
Freude über die ehrenvolle Anerkennung seiner Verdienste nicht lange. Er
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie