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H e r r g o l :.
mit seinen Zöglmgcn 2 Jahre zu Paris zubrachte. Walnscheinlich
es Neigung für die Studien, wa^ ihn vermochte, zu St . Blasien
auf dem Schwarzwalde im 20. Altersjahre in den Benedicciner-Or-
den zu treccn. Dadurch erhielt er die Mittel zu seiner weitem litera»
rischen Ausbildung; seine Obern sandten ihn in das deutsche Collegium
bey St. Apol l iuaris zu Rom, wo er auch nach 3 Jahren die Prie-
sterweihe erhielt. Nach seiner Rückkehr ertheilte er Unterricht in derKlo-
sterschule, echiell bald die Bibliothekarstelle, und benutzte dieselbe zu
sorgfältiger Erforschung des reichen Schafes von Uvkunden und andern
Handschriften, welche diese Bibliothek damahls noch enthielt. H. er-
hielt später hiezu noch freyere Wirksamkeit. Dabey wird seine Gefällig-
keit und sein eiserner Fleiß gerühmt. In dieser Zeit machte er noch
eine Reise nach Frankreich, und gab zu Paris sein erstes Werk heraus:
,a«!ica, 5eu culleclio auctui-uin ordinik 8. Le>
^aNein inedituruin, <^ui de inonasüca 6>5>
t. Paris 1726. Die vorderösterreichischen Stande
erkannten seine Verdienste, indem sie ihn zu ihrem Abgeordneten nach
Wien erwählten, wodurch er neue Gelegenheit fand> seine histo-
rischen Studie» fortzusetzen. Hier gedieh sein Plan, di? bis dahin so sehr
verfälschte und im Dunkel liegende Geschichte des Hauses Hab sburg
aus Urkunden gründlich zu bearbeiten, zur Reife, und er erhielt von
Car l VI . und dann von Mar ia Theresia alle mögliche Untecstü«
tzung. Der Kaiser ertheilte ihm (!736) den Titel eines t. t. Rathes und
Historiographen; die Archive wurden ihm geöffnet. Und durch Beauf-
tragte auch in der Schweiz mit großer Sorgfalt genaue Abschriften der
Urkunden verfertigt. Mit diesen Hülfsmitteln ausgerüstet, arbeiteie er
fein gloßes Werk aus, das zwar hier und dort eine gewisse Befangen-
heit zu Gunsten des Hauses Habsburg verräth, aber durch H.'s
eigene gelehrte Untersuchungen, theils durch einen reichen Schatz
von Urkunden und andern Alterthümern viele dunkle und verwirrt
Puncte der Habsburg'schen Geschichte trefflich aufgehellt hat. Der
Titel ist: pluinaücÄ augusla« ßenns tiat>»c»urg
I^lil l>t l>wc!ia Nlarquardi Neilgntt. 2 Thle. Wien, 1737. Der
erste Theil enthält die geographischen und historisch - genealogischen
Untersuchungen, der zweyte, oder der lüodex provationum enthalt
i)54 Urkunden voin I. 744 an bis 1471 mit vielen Kupfem. 12 Iah-
re nachher erschien der 1. Theil des Werkes: IVlunuineina ^,u^, I)oniu5
in quin^ue I'oluos <!ivisa. IVimuz priniuz sißilla vu-
e«. in^i^nia curn amiczua tuin recenliora varii Feneriz coni-
-<unt Marcnianes, Duceg, ^.lclliduces^ue
in Diplamatuln »ustriaoosurn. Opera ut
plÄl-oi ^.'i-^at». Wien, 1750. Die Siegel und In-
signien der Babenberger von Ernst I. an, im I I . Jahrhundert, und
hierauf der Hamburger, werden in diesem Bande mit großem Fleiße
und Gelehrsamkeit untersucht, und durch sorgfältig ausgeführte Ku-
pfer anschaulich gemacht. Bey den folgenden Theilen hatte H. einen
trefflichen Mitarbeiter an dem gelehrten Benedictiner zu Blasien,
Rus tenus Heer (s. d). Den 2. Theil (in 2 Bänden) bildet:
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie