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Kaiser Joseph I I . l785 an die Stelle des verstorbenen Propste« N e«
krep zum Director der Akademie, und als solcher lehrte er, bis zum
Augenblicke seines Austritts aus dem In,licuce, nebst den orientalischen
Sprachen und der vaterländischen Geschichte, noch jene der Araber, Per»
ser, Osmanen, Turtomanen und Tartaren. Der Ruf seiner besonderen
Geschicklichkeit und rastlosen Thätigkeit in der Erziehung und Ausbildung
der Zöglinge, seine vielfache Gelehrsamkeit, seine gründliche Kenntniß
der Morgenland. Sprachen und Literatur, hatten den großen Monarchen
Joseph I I . veranlaßt in eigener Person in die Akademie zu kommen,
und durch eigene Beobachtung von seinen Verdiensten überzeugt, halte
er ihm in besagtem Jahre 1785 die Directio» dn selben anvertraut. El
bildete recht eigentlich seine Zöglinge, indem er selbe,, wie erwähnt, in
Mehreren Wissenschaften und größtentheils auch in den orientalischen Spra-
chen selbst unterrichtete. Redende Beweise seiner Bemühungen sind die
von ihm gedilderm Männer, welche nicht nur dem Staate mit Auszeich-
nung dienten und noch dienen, sondern auch der gelehrten Welt rühm-
lichst bekannt sind. — Nebst dieser mühevollen Direction und dem viel-
fachen Unterrichte half er noch dadurch an dem Ruhme der Akademie ar-
beiten, daß er einer der vorzüglichsten Theilnehmer an der Herausgabe
des neu aufgelegten Meninsky'schen Wörterbuches war, dasselbe mit
gelehrten Zusätzen reichlich ausstattete und überdieß das beschwerliche Ge->
schäft der' Cörrecmr übernahm. >H. war nicht nur der würdigste Direc»
tot und glückliche Erzieher, sondern auch, im strengsten Sinne des,
Wortes-,' der' sorgfältigste Vater feiner Elevin ^er^war -den ganzen Tag
ununterbrochen unter seinen Kindern; ihre kleinsten Bedürfnisse küm-
merten fem Vaierherz so> wie d« großen. Seine väterliche Erziehung^
art ruhte überdieß auf den unwandelbaren Grundsätzen der Religion und
Philosophie und verband immer SittlichkeitmirAufklarung. ImNoo. 130!
ward er zum Rector Magnisicus der Wiener Universität «rwählt- ILU4
feyerte die'Akade.mie uncer ihm das 50. Jahr ihrer Stiftung durch die
KaiserinnMaria Theresia, bey welcher Gelegenheit der damahls alte'
steSciftlingBartholomäus von Stürmer, gegenwärtig österr. Mi<
nister an der Pforie, im Studiensale des Instituts, vor einer zahlreichen und
gewählten Versammlung eine passende Rede —Während seiner langen
und ersprießlichen Direction sammelte H. für die Akademie einen Schatz von
nahe an 2l),00(1 orientalischen Geschäftsbriefen und andern Schriften i
des verschiedensten Inhaltes ^ur Übung und Bildung des Sty'ls derZö'g« ^
linge. Diese führten 18N7 und 1808 als Beweis ihrer Verwendung
und ihrer Fortschritte nahmentlich in der türkischen Sprache, so wie be»
reits ein halbes Iahrbundert früher geschehen war, in besagter Sprache
Schauspiele auf, welchen mehrere Mitglieder des Kaiserhofes beywohnten.
182? feyene dieß Institut deu fünfzigsten Jahrestag von H.'s segensreichem
Eintritt« in dasselbe, ein wahres Familienfest, das alle seine anwesenden,
zum Theil in hohen Würden stehenden ehemahligen Zöglinge um ihn, wie
um ihren Vater versammelte. Bey diesem Anlaffe erhielt er das Ritter-
kreuz des Leopold-Ordens. Bereits früher hatte Kaiser Franz I. seine
mannigfachen Verdienste durch die Ertheilung derWürde eines inplinen
Pröpsten zu Käcz belohnt; später erhielt er die erledigte Propstey zu
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie