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«5«. Huber, Ant. — Huber, Christian Wilh.
Nach den Landesgesetzen und den Wünschen der evang. Gemeinden trat
er als solcher unverzüglich die Visitation an, dieser Schritt zog ihm je»
doch eine zweymahlige Citation vor das höchste Gericht in P reßburg
zu, welches ihn auch seines Amtes auf einige Zeit entsetzte. Indessen er-
langte H. 1748 wieder seiue vorige Würde, er starb aber noch in
demselben Jahre. In der von ihm besorgten neuen und vermehrten Auf-
lage der lüytNÄi-a 8anctarum, die 1745 in Lublau herausgegeben
wurde, befinden sich 88 vortreffliche Lieder aus seiner Feder, mehrere
derselben übersetzte er mit vieler Gewandtheit aus dem Deutschen.
Huber, Ant. , geb. 1763 zu Fügen im Zillerthale in Tyrol,
zeigte schon als Knabe viele natürliche Anlage zu den bildenden Künsten,
er verlegte sich nicht nur auf Schnitzarbeiten, sondern auch auf dasZeich-
nen, Malen, Wachsbossircn und Modelliren. Er malte auch wirtlich
ein Altarblatt: Christus und die Samaritanerinn; glücklicher aber war
er mit seinen Bossirarbeiten in Wachs, wie das Opfer Abraham's, das
allgemeinen Beyfall erhielt, beweiset. Dieses mag ihn bestimmt haben
sich vorzüglich auf Kunstwerke dieser Art zu verlegen. Mit Empfehlun-
gen an den k. l. Hofarchitecten I osephZobel begab er sich 1802 nach
Wien, um sich an der Akademie der bildenden Künste mehr auszubilden.
Er hielt sich in Wien gegen 11 Jahre auf, siudirte und arbeitete un-
aufhörlich , erwarb sich von seinen Lehrern die günstigsten Zeugnisse,
konnte aber doch seinen Unterhalt nicht fest begründen, woran seine
Schüchternheit und auch die damahligen kriegerischen Zeiten Schuld trü-
gen. Er verließ Wien 1813 und hielt sich einige Zeit in Passau uud
Landshut auf. Endlich kam er nachAugsburg, und trat dort in Ver-
bindung mit dem in Blumen und Früchten sehr geschickten Wachsbofsirer
Sieb er, der aber mit Figuren sich nicht beschäftigte. Für diesen verfer-
tigte er seinen ersten Christus am Kreuze, welches Stück viele Bewun-
derer fand. Er ging noch einmahl nach Wien, kehrte aber wieder nach
Augsburg zurück. Das Museum zu Innsbruck besitzt von seiner
Hand ein Crucifix unter einer Glasglocke, welches den ausgebreiteten
Ruf, den er sich durch seine Crucifixe erwarb, rechtfertigt, dann einen
kleinen weinenden Knaben, der Jedermann zum Lachen bewegt.
Huber, ChristianwNb., merkwürdiger Sprachenkenner, geboren
in Wien am 26. Febr. 18U4, bestimmte sich, nach vollendeten Vor-
bereitungsstudien, für die juridisch - policischen Wissenschaften, die er
sich auf den Hochschulen in Wien und inPadua aneignete. 1828 trat
er in den Staatsdienst und ist gegenwartig bey der k. k. allgemeinen Hof-
kammer angestellt. Seit seiner frühesten Jugend fühlte er sich zu lingui-
stischen Studien und Forschungen hingezogen, di>uen er manche Stunde
der Erholung und Ruhe aufopferte. Außer seiner Muttersprache, der
deutschen, deren characteristische Entwicklung aus den anfänglichen und
mittelalterlichen Formen er aufmerksam beachtete, lernte er nebst der la-
teinischen und griechischen Sprache noch allinählig Französisch, Italienisch,
Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Hollandisch, Dänisch, Schwedisch,
Isländisch, Provenzalisch, Hebräisch, Arabisch, Türkisch und Persisch.
Auch betrieb er die älteren und neueren Dialecte der genannten Sprachen,
wie.das Valenzianische, Catalonische, Galizische, Schottische, Norme-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie