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Oberschlesien und Mähren in einer Kette fort, und dringt noch tiefer ins
Land ein. In manchen Dörfern ist fast jeder Hauswirth zugleich Lein-
weber. Am stärksten wird die Weberey um Rumburg , dessen treff-
liche Leinwänden allenthalben beliebt sind, dann um Schlucken au ,
Arnau, Trautenau, Hohenelbe, Starkenbach, im Kö-
niggrätzer Kreise :c. betrieben, derHauptsitz der feinsten Leinwand- und
Battistweberey ist das Dorf Branna im Riesengebirge, die feinen,
daselbst und auf der gräfl. Harrach'schenHerrschaft Starkenb ach er-
zeugten Leinwanden und Battiste stehen den holländischen und franzö-
sischen Fabrikaten wenig nach. Die Kunstweberey, ,5. B. feine Damaste
und Tafelzeuge, hat ihren Sitz zu Warnsdorf auf der Herrschaft
Rumburg. Vor einigenIahren schätzte man den Werth der in Böhmen jähr-
lich erzeugten Leinwänden auf beynahe 3^ Millionen Gulden, und seit
dem ist sie gewiß noch höher gestiegen. — Mähren und Schlesien
haben viele und ausgezeichnete Webereyen, die besonders schöne soge-
nannte weißgarnene Leinwanden liefern. Die Hauptörter der dortigen
Fabrikation sind: Sternberg, Zw i t tau , Hof , Zuckmantel ,
Freudenthal, Würben tha l , Biel i tz und das Gebirge des
Teschner Kreises; in Ianowi tz besteht eine große, dem Grafen H a r-
rach zugehörige, Leinwandfabrik. Die gesa.nmte Leinwanderzeugung
in Mahren und Schlesien wird auf 9 Millionen Ellen jährlich geschätzt.
— Im Lande Österreich unter der Enns wird nur im Kreise
ober dem Mannhartsberge oder im sogenannten Waldviertel die Lein-
weberey in ausgedehnterem Maße betrieben, besonders um Z wettet ,
Schweigers, Rosen au und Gerungs , wo die sogenannten
Waldleinwanden erzeugt werden, welche der Landmann gewöhnlich aus
eigenem Garne weben laßt, und die keine Appretur erhalten. — Im
Lande ob der Enns hat das Mühlviertel die meisten Leinweber,
und zwar um die böhmische Gränze zuH a s lach, Neufeld, Kloster-
Schlägel, A igen, Putzleinsdorf , P regar ten , Weißen-
bach :c., übrigens werden hier fast ausschließend nur ordinäre Kauf-
und Hausleinwandelt und Tischzeuge verfertigt, im Salzburgischen
werden zwar nur wenige, aber mitunter schöne und gute Leinwänden
gewebt. Seit Aufbebung der in Osterreich ob der Enns vormahls bestan-
denen strengen Beschau der Qualität scheint die daselbst verfertigte Lein-
wand an Güte abgenommen zu haben. — In Kärnthen werden nur
in der Gegend von Rosegg Zwilliche, Leinwanden der gemeinen Art,
und mitunter auch Segeltücher gewebt. — Kra in hat im Gebirge, zu-
ma
ber
chl in der Gegend von Bischofslaak und Kra inburg viele We-
..r, welche grobe Segeltücher, einige Mittelarten von Leinwand..
Fatschen und Tischzeuge verfertigen. — Im Küstenlande beschränkt
man sich ebenfalls auf gröbere Sorten, in Triest werden treffliche Se-
geltücher aus italienischem Hanf verfertigt. Bedeutend sind die Webe-
reyen im Görzer Kreise, in Görz allein sind 151 Webestühle, welche
jährlich gegen 75,l>l)l) Wiener Ellen gestreifte, quadrillirte und unge-
färbte grobe Leinwänden liefern. — In Tyro l werden die besten Lein-
wanden im Pusterthale, im Otzthale, zu Innsbruck und Bo-
tzen gewebt. Es gibt hier auch wandernde Leinweber, die von einer
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie