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Liechtenstein, deo reg. Fürsten Joh., Bibliothek.
warf sich mehrmahls mit wenigen Zügen Cürassiere, einmahl im heftig-
sten Platzregen ohne Hut, auf dem ersten besten fremden Rosse, mit
einem fremden Säbel, mitten in den Feind. — Sein heldemnüthiges
Benehmen in der'Schlacht bey Aspern ist allbekannt, folgende Stelle
des Armeebefehls des Erzherzogs Car l liefert dafür den schönsten Be-
weis: „Der General der Cavallerie, Fürst Ioha nn Liech tenstein,
hat seinen Nahmen verewigt. Dieses Gefühl und meine warme Anhäng-
lichkeit an seine Person verbürgt ihm die Danlbarkeit unsers Monarchen.
Ich kann ihn nur mit dem öffentlichen Ausdruck meiner Achtung lohnen."
— Die erwartungsvolle Nacht vom 21. auf den 22. May brachte der
Fürst einen Pistolenschuß weit von den feindlichen Posten auf der bloßen
Erde zu, auch in seinem gemeinen Reitermantel erkennbar. Ein Stückchen
Zucker und ein Trunk schlechten Wassers aus einem ledernen Becher von
dem braven Cüraffier-Obersten Rousseles dargereicht, war seine ein-
zige Labung nach dem übermenschlichen Kampfe. — Am-5. und 6. Iuly
beyWagram,gab der Erzherzog Carl L.'s Reiterey das Zeugniß, unter
einem Hagel von Kugeln, so. kaltblütig und fest, wie auf dem Exercir-
platze manövrirt zu haben. Eine Kanonenkugel riß am 5. Iuly Nach-
mittags, des Fürsten im vollen Galopp aushöhlendes Pferd, der Länge
nach zusammen, und indeß er gräßlich hingestreckt unter dem todten
Pferde lag, feuerte der nahe Feind heftig mit Kartätschen nach ihm,
ohne Schaden. Bald saß er mit seiner ungeheuren Beweglichkeit wieder
auf dem nächsten Dragonerpferd, und kam oft noch vor seinem Adjutan-
ten an den Orr seiner Aufträge. Nur am 6. Iuly Mittags, brachte die
volle Decharge einer ganzen feindlichen Masse auf 150 Schritte, ihm
die einzige Contusion bey, und verwundete sein Roß. — Er erhielt den
Oberbefehl des Heeres, als der Erzherzog Carl denselben niederlegte
und darauf den Marschallstab.'— Noch unterzeichnete er auch den Wie-
ner Frieden, und both für die von schweren Zahlungen abhängige frü-
here Räumung Wien's den dortigen Wechselhäusern seine gesammten
Güter zum Unterpfande. Seit dieser Zeit, wo er seine Heldenbahn be-
schlossenhatte, lebte der Fürst nur sich und seinen zahlreichen Familien-
gliedern, sorgte unermüdet für den Wohlstand seiner Unterthanen, und
widmete sich in den' Tagen des Friedens seiner Liebe zur Wissenschaft und
Kunst. Er hatte sich 1792 mit Iosephine Soph ie , Landgräsinn
von Fürstenberg-Weitra vermählt, folgende Kinder sind die Früchte
dieser Ehe: 1) Aloys, Erbprinz, geboren 1796, vermählt 1331,
mit Francisca, Gräfinn von K insky . 2) Soph ie , geboren
1793, vermählte Gräfinn Vinc. Eszterhäzy. 3) Iosephine, ge-
boren 1300. 4) Franz, geboren 1802. 5) Car l , geboren 1803.
6) H e n r i e t t e , geboren 1806, vermählte Gräfinn Hunyady .
7) Friedrich, geboren 1807. 3) Eduard, geboren 1309. 9) Au-
gust, geboren 1810. 10) I d a , geboren 1311. 11) Rudolph, ge-
boren 1816.
Liechtenstein, des regierenden Fürsten Joh., Bibliothek.
Diese merkwürdige Büchersammlung enthalt in einem sehr schön decorir-
ten Saale des fürstl. Palastes in Wien (Herrengasse) beyläufig50,000
Bande, worunter sich mehrere zum Theil sehr wichtige Handschriften, In-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie