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L ö w e .
In Wien zu bleiben, pazu war damahls keine Aussicht vorhanden,
und L., mit Empfehlungsbriefen seiner beyden Gönner versehen, wen-
dete sich zuerst nach Prag , wo er 1311 engagirt wurde und über 10
Jahre blieb. Hier spielte er durch länger als 3 Jahre nur komische Rol-
len/von welchen sich Caspar Larifari, Rochus Pumpernickel, Hans
Klachel u. dergl. einer besonderen Beliebtheit zu erfreuen hatten. Ein
Zufall entschied über L.'s ganze Zukunft. Es wurden nähmlich eines Abends
Kotzebue's „Kreuzfahrer" aufgeführt, und der Schauspieler Rei-
tzenberg, welcher den Balduin gab, hatte dem Gotte Bacchus zu
Ehren so stark geladen, daß er nach dem Z. Acte schlechterdings nicht in
der Verfassung war, die Rolle zu Ende zu spielen. Director Lieb ich
war in der peinlichsten Verlegenheit, und machte L. den Antrag, die
Rotte für Reitzenberg auszuspielen. Dieser, obgleich die Rolle nicht
kennend, verstand sich aus Gefälligkeit zu diesem gewagten Unternehmen,
ging im Zwischenacte und später wahrend der Scenen seine Aufgabe
schnell durch, und gesiel — ungeachtet man ihn bisher immer nur in
niedrig komischen Rollen zu sehen gewohnt war, und daher seine Stel-
lung viel gefährlicher wurde— außerordentlich. Durch diesen unerwar-
tet glänzenden Erfolg fand sich L. bestimmt, sich öfter im Ernsten zu ver-
suchen. Dem ersten, so günstig aufgenommenen Probestücke folgten Iaromir
in der„Abnfrau," und Roderich im „Leben ein Traum." L., der sich da-
mahls noch nicht von allen seinen komischen Rollen lossagen konnte, er-
weckte indessen durch seine Leistungen im Trauerspiele eine immer günsti-
gere Meinung für sein Kunstvermögen, und gelangte endlich, nach Feist-
m an tel's Eintritt, das niedrig-komische Fach ganz aufgebend, in den aus-
schließenden Besitz der ersten Liebhaber- und Heldenrollen. 1821 erhielt
er einen Ruf nach Cassel, und blieb dort 5 Jahre im Engagement.
Die Zeit der Ferien benutzte er zu Gastspielen in Dresden, Leipzig,
Mannhe im, Hamburg, B rau nschw eig und Ber l i n . 1823 ga-
stirte er auch inWie n, und wiederholte 2 Jahre später auf den Wunsch der
Hoftheaterdirection dieses Gastspiel. Dieses letzte Mahl schloß er einen
Contract zu einem Engagement für die ganze Dauer der Dienstestaug-
lichkeit. Im May 1826 betrat er als wirklicher k. k. Hofschauspieler d"ie
Bühne, als deren vorzügliche Zierde ihn alle Stimmen anerkennen
müssen. 1834 hatte er den Wunsch, seine gegenwärtigen Verbindlichkei-
ten aufzulösen, und die Direction des Prager Theaters mir Stög er
zu übernehmen, allein die k. k. Hoftheaterdirection willigte nicht in seine
Entlassung. Die deutsche Schaubühne besitzt in Ludwig L. ein gro-
,'scheint es im Lustspiel«
Rede bewegt den Geist und das Herz, eine ganz eigenthümliche Harmo-
nie des Ausdrucks durchweht, wie ein schönes Geheim?'«.', jede seiner
Kunstschöpfungen. Besonnen versteht er den ihm gegebner. Charakter
nach allen seinen Beziehungen aufzufassen, und ihn mit überzeugender
Wahrheit als ein vollständiges Lebensbild wiederzugeben. Was er spielt,
ist schön, wahr und poetisch. Jeder Zug ist bezeichnend und stimmr zum
Ganzen. Er ist in jeder Rotte, mit kunstreicher Verläugnung seiner Per-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie