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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Band 3
Seite - 484 -
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L ö w e . In Wien zu bleiben, pazu war damahls keine Aussicht vorhanden, und L., mit Empfehlungsbriefen seiner beyden Gönner versehen, wen- dete sich zuerst nach Prag , wo er 1311 engagirt wurde und über 10 Jahre blieb. Hier spielte er durch länger als 3 Jahre nur komische Rol- len/von welchen sich Caspar Larifari, Rochus Pumpernickel, Hans Klachel u. dergl. einer besonderen Beliebtheit zu erfreuen hatten. Ein Zufall entschied über L.'s ganze Zukunft. Es wurden nähmlich eines Abends Kotzebue's „Kreuzfahrer" aufgeführt, und der Schauspieler Rei- tzenberg, welcher den Balduin gab, hatte dem Gotte Bacchus zu Ehren so stark geladen, daß er nach dem Z. Acte schlechterdings nicht in der Verfassung war, die Rolle zu Ende zu spielen. Director Lieb ich war in der peinlichsten Verlegenheit, und machte L. den Antrag, die Rotte für Reitzenberg auszuspielen. Dieser, obgleich die Rolle nicht kennend, verstand sich aus Gefälligkeit zu diesem gewagten Unternehmen, ging im Zwischenacte und später wahrend der Scenen seine Aufgabe schnell durch, und gesiel — ungeachtet man ihn bisher immer nur in niedrig komischen Rollen zu sehen gewohnt war, und daher seine Stel- lung viel gefährlicher wurde— außerordentlich. Durch diesen unerwar- tet glänzenden Erfolg fand sich L. bestimmt, sich öfter im Ernsten zu ver- suchen. Dem ersten, so günstig aufgenommenen Probestücke folgten Iaromir in der„Abnfrau," und Roderich im „Leben ein Traum." L., der sich da- mahls noch nicht von allen seinen komischen Rollen lossagen konnte, er- weckte indessen durch seine Leistungen im Trauerspiele eine immer günsti- gere Meinung für sein Kunstvermögen, und gelangte endlich, nach Feist- m an tel's Eintritt, das niedrig-komische Fach ganz aufgebend, in den aus- schließenden Besitz der ersten Liebhaber- und Heldenrollen. 1821 erhielt er einen Ruf nach Cassel, und blieb dort 5 Jahre im Engagement. Die Zeit der Ferien benutzte er zu Gastspielen in Dresden, Leipzig, Mannhe im, Hamburg, B rau nschw eig und Ber l i n . 1823 ga- stirte er auch inWie n, und wiederholte 2 Jahre später auf den Wunsch der Hoftheaterdirection dieses Gastspiel. Dieses letzte Mahl schloß er einen Contract zu einem Engagement für die ganze Dauer der Dienstestaug- lichkeit. Im May 1826 betrat er als wirklicher k. k. Hofschauspieler d"ie Bühne, als deren vorzügliche Zierde ihn alle Stimmen anerkennen müssen. 1834 hatte er den Wunsch, seine gegenwärtigen Verbindlichkei- ten aufzulösen, und die Direction des Prager Theaters mir Stög er zu übernehmen, allein die k. k. Hoftheaterdirection willigte nicht in seine Entlassung. Die deutsche Schaubühne besitzt in Ludwig L. ein gro- ,'scheint es im Lustspiel« Rede bewegt den Geist und das Herz, eine ganz eigenthümliche Harmo- nie des Ausdrucks durchweht, wie ein schönes Geheim?'«.', jede seiner Kunstschöpfungen. Besonnen versteht er den ihm gegebner. Charakter nach allen seinen Beziehungen aufzufassen, und ihn mit überzeugender Wahrheit als ein vollständiges Lebensbild wiederzugeben. Was er spielt, ist schön, wahr und poetisch. Jeder Zug ist bezeichnend und stimmr zum Ganzen. Er ist in jeder Rotte, mit kunstreicher Verläugnung seiner Per-
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe I-M, Band 3
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe I-M
Band
3
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
768
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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