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Möglichkeiten, in denen der Gefahren suchende Krieger sie erhalten
konnte. — Nach dem Rückzüge war das Trent'sche Corps in ein regu-
lirtes ungarisches Regiment umgestaltet worden; aber der Geist des Füh,
rers blieb immer derselbe, und L., der es mit dem rohen Manne nicht
langer ausdauern wollte, verließ nach der Schlacht bey Trauten au
den Dienst, um zu Wien eine neue Anstellung zu suchen. Ein Wort-
wechsel mit Trenk, den eine wohlgemeinte Warnung veranlaßt hatte,
verwickelte ihn in desselben Proceß; aber eine Schreibtafel, die alle ihm
ertheilten Befehle enthielt, rechtfertigte ihn, ohne jedoch sein Schicksal
zu verbessern. — Wahrend L. mit dem Gedanken umging, anderwärts
Dienste zu suchen, erhielt er eine Majorsstelle unter den Liccanern, wo
er bey der Gährung, welche die neuen Einrichtungen unter den Gränz-
truppen (1754) veranlaßten, nicht wenig beytrug, die empörten Ge-
müther zur Ordnung und Pflicht zurückzubringen. Alle Muße, welche
ihm hier der Dienst gab, verwendete er, practische Kenntnisse durch
theoretisches Metier-Studium zu ergänzen, wobey die Landcharlen der
Gegenstand seiner Lieblingsbeschäftigung waren, und auch im spateren
Leben geblieben sind.— Bey dem Ausrücken der Gränzregimenter (1756)
war L. nicht unter denen, die zu Felde zogen. Empfindlich wegen der
kränkenden Zurücksetzung, reiste er nach der Hauptstadt. Er fand hier
eine alte Bekanntschaft— eben denselben Hochstetten> der ihm zu
Petersburg die ersten Empfehlungen für Wien verschafft hatte, und
ihn jetzt bey dem Staatskanzler einführte. Dieser Kenner des Verdienstes
hatte bald seinen Mann entziffert, und war von dieser Zeit an L.'s thä-
tiger Beschützer, und in der Folge ft'.n warmer Freund geworden. —
Der ersten Bestimmung nach sollte L. eine Abtheilung Croaten zur
Reichsarmee führen, die aber noch nicht in Bewegung war, und so ging
er als Oberstlieutenant zu dem Feldmarschall B rowne nach Böhmen
ab. Die Schlacht bey Lobositz war bereits geliefert, doch kam er bey dem
Versuche, die Sachsen aus dem Lager beyPirna zu befreyen, schon
in Thätigkeit, und führte bey dem Rückzüge den glücklichen Streich auf
Tetsch en aus, wodurch er bemerkt und zum Wintercordon an derLausitz
beordert wurde, wo seine Croaten unermüdet die feindliche Gränze be-
unruhigten. Schlaue Thätigkeit und persönlicher Muth sind die Eigen-
schaften, welche einem Anführer das Zutrauen dieser Truppen erwerben.
Bey dem Überfalle von Hirschfeld (Febr. 1757) hatte L. den schwer-
sten Angriff, und er rückte zum Obersten ror. — Bey Prag theilte er
die Gefahren der Schlacht, der Belagerung und der versuchten Ausfälle,
in deren einem er selbst der Führer war. Es war zu erwarten, daß er
bey dem Abzüge im Verfolgen des Feindes nicht der Letzte bleiben würde.—
Nachdem man ein Paar Monathe hindurch abwechselnd an beyden Ufern
der Elbe den kleinen Krieg geführt, mußte L., wie es ikm gleich anfangs
zugedacht war, mit seinem etwa 4000 Mann starken Corps zur Reichs-
armee abgehen. Er hielt am Tage bey Roß bach die Gehölze an der
Saale besetzt, und zog sich, ohne an dem früh geendigten Treffen Theil
gehabt zu haben, durch das Erzgebirge nach Böhmen, fern von den
glücklichen und unglücklichen Vorfällen in Schlesien. — Eine Merkwür-
digkeit ist es, daß L. sein Generalkpatent aus den Händen des.Königs
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie