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L. o u d o n.
von Preußen zugesendet erhielt; weil der Courier, der eS überbringen
solüe, während des Überfalls von Ootha war aufgefangen worden. —
Daun's Oberbefehl begann mit dem Theresien-Ordenscapitel zu Ska,
litz (imApril 1758), worin L. das Großkreuz erhielt, nachdem er bey
der ersten Beförderung den Nittergrad erworben hatte. Bis zur Be-
lagerung von Olmütz führte er den kleinenKrieg meistens mitVortheil.
Der König mußte diese Belagerung aufheben, weil ihm mit den abge-
nommenen Zufuhren das Mittel benommen war, sie fortzusetzen, und
diesen Auftrag hatten L. und Stskowics durch die freylich blutigen
Gefechte bey Domstadtl meisterhaft ausgeführt. Die leichten Truppen
beunruhigten den Rückzug, wobey L. nicht wenig thätig war, aus Allem
Vortheil zog, und wenn ihm Übermacht entgegenkam, dieser geschickt
auszuweichen wußte. So zog er dem D aun'schen Heere voraus oder
zur Seite, fiel endlich in die Mark ein, und nahm Pritz weg, das
zwar nur nach alter Art befestigt, doch ein Sicherheitsort war, woraus
seine Husaren bis vor die Thore von Frankfu rt a.d. O. streiften. Unter
ermüdenden Neckereyen wetteiferten damahls beyde Heere in der Kunst
unangreistiche Stellungen zu nehmen, bis es zum Treffen bey Hoch-
kirchen kam. Wie vielen Antheil er am Plane gehabt, liegt im Dun-
keln. Von der Ausführung sagte Daun in seinem Hofberichte: „Man
muß diesen Sieg der Tapferkeit und Standhaftigkeit I. M. Truppen,
besonders der Infanterie, wie auch den Gränizern unter Anführung des
Generals L. zuschreiben." Er folgte ttun auch dem Könige nach dessen
Abzüge nach Schlesien, seinem Heere immer im Rücken oder zur Seite,
unter lebhaften immer erneuerten Gefechten, selbst unpäßlich, und ein-
mahl in der nahen Gefahr gefangen zu werden. Die Krankheit, welche
er seit dem Tage von H o ch k i r ch e n mit sich trug, brach mit aller Hef-
tigkeit auf seiner Reise nach Wien aus, wo die dankbare und groß-
müthige Mar i a Theresia den Mann zu sehen wünschte, der ihr so
nützlich geworden war, und wo ein großer Theil des Publicums mit
besserem Gefühl als bloßer Neugier seiner Ankunft entgegensah. Die
Monarchen ehrten ihn mit dem Freyherrnstande des deutschen Reichs und
der österreichischen Erblander; der berühmte van Swieten stellte seine
Gesundheit her. — Im Frühjahr (1759) kehrte L. zu seinem Corps an
der schles.Grcinze zurück, neue'Kraft athmend und unaufhaltsam in seinem
Plane, sich durch die Niederlausitz mit den aus Polen in die Mark ein-
dringenden Russen zu vereinigen. Die Schwierigkeit war so groß als
der Zweck. — Die Vereinigung wurde durchgesetzt, und wenn die ver-
schanzte und mit vielem Geschütz besetzte Stellung der Russen bey Kun-
nersdorf vielleicht nicht ganz gut genommen war, so konnte doch L.
aus dem Vortheile der seinigen hervorbrechen, und dem Treffen die Wen-
dung geben, die es im Augenblicke, da der Sieg von den Preußen schsn
erkämpft schien, wirklich genommen hat. Artillerie, kleines Gewehr,
feuer und blanke Waffen hatten diesen Tag zum blutigsten des ganzen
Krieges gemacht. Friedrich's Lage schien bedenklich. Der König
berechnete den Geist, der das ruffische Heer leitete, damahls wohl nicht
so zuverlässig, alsL., der denjelben bereits aus Erfahrung kannte, und
den es sehr kränken mochte, die Folgen, welche der ertämpfte Sieg hätte
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie