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als 100,000 Pilger aus allen Theilen der Monarchie wallfahrten, steht
auf einem silbernen Altar in der kleinen, mit silbernen Gittern verwahr«
ten Capelle, inmitten der Kirche, in welcher sich noch eine große Orgel
mit 33 Registern, eine ungeheure Kanzel aus rothlichem Marmor, ein
schöner Hochaltar mit einem Crucifix von Ebenholz auf einer silbernen
Weltkugel befindet, welche im Durchmesser 6 Fuß mißt. Schon 1798
den 5. May entstand eine bedeutende Feuersbrunst in M.-Z., welche
19 Häuser in Asche legte, den 27. März 1300 brannte beynahe die ganze
Gratzergaffe ab, doch die furchtbarste Verheerung fand den 1. Nov.
183? Statt, nur 9 Hauser entgingen der Wuth der Flammen, 10
Personen fanden dabey ihren Tod, viele wurden beschädigt. Das Dach
und die Thürme der schönen Kirche gingen zu Grunde, doch gelang es,
den Schatz und das Gnadenbild zu retten. Obschon es nun an reichlichen
Spenden nicht fehlte, so mußte demungeachtet der großre Theil des
Schatzes verkauft werden , um die Mittel zur Wiederherstellung der
Kirche zu vermehren, die indessen jetzt in erneuerter Pracht wieder dasteht.
Noch sind aber die Reichthümer der Schatzkammer sehr beträchtlich, eS
besinden sich unter andern darin, außer dem erwähnten Bilde: Ein sil-
berner Altar in Gestalt eines Stammbaumes, welcher die Köpfe der
Habsburg-lothringischen, und ober diesen der königl. sicilianischen Fa-
milie von vergoldetem Kupfer tragt, viele Perlen und Edelsteine, aller-
ley Alterthümer, Seltenheiten und künstliche Arbeiten, unter diesen
auch die goldene, oben mit Brillanten besetzte Schreibfeder Ludwig
Zach. Werner's, welche dieser Dichter testamentarisch diesem Gna-
denorte hinterließ. Unter der Regierung Kaiser Joseph's I I . wurden
die Wallfahrten überhaupt und besonders nach diesem Gnadenorte einge-
stellt, 1796 wurden sie jedoch von Kaiser Franz wieder erlaubt. 1811.
erschien eine eigene kaiserliche Bestimmung, welchen Orten es gestattet ist,
hier in Procession einzuziehen, deren sind in Osterreich mit Einschluß
von Wien 116, in Böhmen 13, in Ungarn 36, in Steyermark 47,
in Kärnthen 1, in Mahren 12. DieWallfahrtenden kommen meistens in
festlichem Schmuck, der aus manchen Provinzen etwas Eigenthümliches,
oft Abenteuerliches mitbringt. Rings um die Kirche sind viele Buden,
in welchen zur Zeit der Wallfahrten immerwährender Markt gehalten
wird und Rosenkränze, Heiligenbilder, Raucherwerk, Drechslerwaaren
aller Art, Kreuzchen, Ringe, Gebethbücher :c. zum Verkaufe bereit
liegen, wovon die Wallfahrter Manches zum Andenken ihrer Pilger-
fahrt in die Heimach mitbringen. Auch für die Aufnahme kranker Frem-
den ist durch die Errichtung eines eigenen Spitales gesorgt. Die Umge-
bungen von M. -Z. biethen sehr angenehme Spaziergange dar, beson-
ders das Bürger- oder Zelleralpel hinter der Kirche, mit einer der schön«
sten Alpenaussichten, die bis an die Donau gegen Mar ia-Tafer l
reicht und mir einer sehenswerchen Hohle, welche Raben bürg oder
der hohle Stein genannt wird, ferner die Wild- und Stutteralpen, die
Mooshuben, Domönalpe, Sauwand, Pfeiferalpen, das Niederalpel,
die Gegend am nahen Erlaphsee ;c. Eine Viertelstunde östlich von M.-
Z. ist der berühmte Holzaufzug, wo eine bedeckte Stiege über einen ho-
hen Berg zu einem Bache führt und mittelst eines einfachen Mechanis-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie