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anders übrig/ als seine dortige kleine Besitzung verkaufe» zu lassen, und
mit dem dafür gelösten Betrage von nicht gar 300 Gulden nach Wien
zu reisen, um Bildung und Glück dort zu suchen. — M. kam 1762
mit 24 Ichren nach Wien. Ein Empfehlungsschreiben von Winter
an den damahligen Director der Akademie der bildenden Künste, Mar-
tin Meytens, verschaffte ihm bey diesem eine sehr gute Aufnahme,
und den Eintritt in den Antitensaal. In kurzer Zeit gehörte M. unter
die ausgezeichneten Schüler der Akademie und wurde dadurch dem Pro-
fessor Schletterer bekannt, der ihn an den braven Maler, Pater
Norbert Baumgartner empfahl. Dieser nahm den Bildung und
Brot suchenden Schüler mit Vergnügen auf. Patcr Norbert entwarf
tie Compositionen, skizzirte im Kleinen, und M. führte im Großen
aus. So sehr indessen das Verdienst dieser Gemälde anerkannt wurde,
so deckte M. mit der dafür erhaltenen Belohnung doch nicht einmahl die
auch nur nothwendigsten Bedürfnisse. Er mußte also neuerdings zum
Porträtmalen seine Zuflucht nehmen. Hierin war er aber nun glücklicher
als das erste Mahl. Er erhielt vom Freyh. v. Sperges, dem damahli-
gen Präses der Akademie der bildenden Künste, Bestellung auf 3 lebens-
große Porträte, des Kaisers Franz I . , Joseph I I . und der Kaise-
rinn Mar ia Th eresia, welche nach Mantua bestimmt waren.Die
Gemälde erhielten den Beyfall des Fürsten Ka un i tz, und bestimmten
diesen , bey dem Künstler eine Bestellung auf sein eigenes Portrat in Le-
bensgröße im Toisonkleide zu machen. Diese gelungene Arbeit wurde von
dem Fürsten der Kaiserinn gezeigt, und M. als würdig erkannt, sein
Talent als Pensionär in Ro m noch mehr zu bilden. — 1772 langte er
dort an, und kam unter die Aufsicht Ma ron's, des damahligenDirec-
tors der deutschen Künstler. Gegen das. Ende seines Aufenthaltes in
Rom erhielt er den Auftrag, eine eigene Composition nach Homer in
Ohl auszuführen. Er wählte zum Gegenstande Ulysses, wie er die
Circe zwingt, seinen Gefährten ihre vorige Gestalt wiederzugeben.
Dieses Gemälde wurde dem Fürsten Kaunitz nach Wien geschickt.
— Bald nach Absendung dieses Stückes wurde M. nach Wien zurück-
berufen. Mit einer Menge von Handzeichnungen, kam er 1776 da-
selbst an. Fürst Kaunitz bestellte bey ihm zuerst 2 lebensgroße Por-
träte, das der Kaiserinn Mar ia Theresia und des Kaisers Jo-
seph I I . Beyde Porträte erhielten den Beyfall des Hofes, und wurden
der Universität in P av ia geschenkt. Von dieser Zeit an wurde M. als
ein guter Maler überall gesucht. — 1785 erhielt er die Professur
der histor. Zeichnungsschule in der Akademie der bildenden Künste, und
wurde Rath und Mitglied derselben. Er bekleidete diese Stelle mit
unermüdetem Fleiße durch 32 Jahre, während welcher Zeit er viele histor.
Bilder malte, und mehrere Altarblätter lieferte, worin er als Künstler
neuerer Zeit wohl die größte Anzahl gemacht haben mag. Besonders eh-
renvoll war der von Seite des Hofes unmittelbar an ihn ergangeneAuf-
trag: Die Burgcapelle mit 2 von seiner Hand zu verfertigenden Seiten-
Altarbildern zu schmücken, nähmlich den h. Iohann d en Täufer in
der Wüste, und dieh. Cath arina vorstellend. Nachdem aber M. in der
bestimmten kurzen Zeit beyde Bilder zu malen nicht im Stande war, so
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie