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Maximil ian I I . , röm.-deutscher Naiser.
Sterblichkeit in der spanischen Königsfamilie gehörten, durch welche
sein Sohn Phi l ipp zum Throne von Castilien gelangte, trugen ge-
meinschaftlich dazu bey, dem österr. Staate seit seiner Zeit jene innere Fe-
stigkeit und äußere Haltung zu geben, welche denselben an Macht,
Einfluß und Glanz weit über alle andern deutschen Staaten erhob, von
denen einige der größeren, bis ttahin, nicht ohne Erfolg mit den Herzo-
gen von Osterreichgewetteifert hatten. Und nicht allein im deutschen, son-
dern auch im europäischen Staatensystem erschien Österreich, seit M.'s
Tagen, mit einem politischen Gewichte, das zwar mehrmahls bedroht,
in keinem Sturme aber ganz erschüttert ward und selbst aus den Stür-
men des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts mit erhöhter
Srarke heraustrat.
Maximi l ian I I . , römisch-deutscher Kaiser :c. , geboren zn
Wien 1527, ältester Sohn des Kaisers Ferdinand I. und der Kai-
serinn Anna, gebornen Prinzessinn von Ungarn. In seiner Jugend
machte M. mehrere Reisen, besonders nach Spanien an den Hof seines
Oheims Kaiser Carl's V. , mit dessen Tochter M a r i a er sich 1552
vermählte. Um dieselbe Zeit bestand M. auch das bekannte Abenteuer in
einer Raub ersehende in Granada, welches in neuerer Zeit dramatisch
bearbeitet wurde. Bey seiner Rückkehr brachte M. nebst andern Merk-
würdigkeiten auch den ersten Elephanten nach Wien , welcher daselbst
solches Aufsehen machte, daß er im Eckhause des Grabens, welches noch
heute zum Elephanten heißt, fast in Lebensgröße abgebildet wurde,
und daselbst bis ungefähr 1780 noch zu sehen war. 1562 wurdeM. zum
König von Böhmen, 1563 zum König von Ungarn gekrönt, und er
erhielt nach dem Tode seines Vaters 1564 auch die römisch-deutsche
Kaiserkrone. 5566 bestätigte erden Religionsfrieden, und gestand 1567
sowohl den Protestanten in Österreich und Ungarn, als auch den Utra«
quisten in Böhmen freye Neligionsübung zu, wodurch er sich allgemein
beliebt machte. 1570 bestätigte M. auch die Universität in Olmutz.
Überhaupt erhielt er durch seine weisen und gemäßigten Maßregeln im
ganzen Reiche Frieden, nur die Belagerung von Tr ier , welcheStadt
der Churfürst um die Freyheit bringen wollte, und der Mord des Bi-
schofs von Würz b urg durch Grumbach, welchen der Kaiser streng
ahndete, störten diese Ruhe. 1571 fiel in dem noch immer fortdauernden
Kriege gegen die Türken die he^denmüthige Vertheidigung Szigeth's
durch Nic las Z r iny i und dessen Opfertod vor. 1575 wurde M. auch
von den polnischen Ständen nach dem Tode ihres Königs S ieg mund
August die Krone von Polen angebothen, da jedoch der Großfürst von
Siebenbürgen, Steph an Ba th or y von dem polnischen Adel begün-
stigt wurde, so entspann sich ein Krieg, in welchem Letzterer die Ober-
hand behielt, und den polnischen Thron bestieg. M. starb zum großen
Leidwesen aller Parteyen den 12. Oct. 1576 auf dem Reichstage zu
Augsburg, und hinterließ nebst seinem Nachfolger Nudolph noch
folgende Söhne: Ernst, Gouverneur der Niederlande, Math ias ,
nach Rudolph's Tode Kaiser, Max im i l i an , designirter König von
Polen, welcher sich jedoch auch nicht behaupten konnte, und Albrecht,
Cardinal und nachher Statthalter in den Niederlanden.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie