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tican im buchstäblichen Sinne bey Wasser uud Brot studiren. Jeder
Fehler wurde durch strenge Züchtigung bestraft und so bildete sich M.
durch diese Gewaltmittel, von glücklichen Anlagen unterstützt, allerdings
zum großen Künstler, es bleibt aber noch immer die Frage, ob nicht
manches, selbst seiner besten Werke mehr außerordentlichen Fleiß und
gründliches Srudium, als eigentlich angebornes Genie verrathe. 1744
kehrte M. mit seinem Vater nach Dresden zurück und König Au-
gust I I I . von Polen und Churfürst von Sachsen ernannte ihn, seine
bewährten Talente anerkennend, zum Hofmaler. 1746 ging er wieder
nach Rom, studirte daselbst auf das eifrigste und trat 1748 zum ersten
Mahle mir einer eigenen Composition auf, welch<ungetheilten Beyfall er-
hielt. 1749 kehrte er neuerdings nach Dresden zurück, verfertigte
Hochaltar der kathol. Capelle daselbst und
ging dann abermahls nach Rom, wo er 1754 die Direction der neuer«
richteten Malerschule auf dem Capitol annahm. 1761 folgte M. einem
Rufe des Königs Carl I I I . von Spanien nach Madr id , wo er meh-
rere Arbeiten für denselben unternahm und alle seine Nebenbuhler besieg-
te. 1770 e.rbath er sich einen Urlaub, um in Italien seiner geschwächten
Gesundheit pfiegen zu können, er hielt sich einige Zeit in Florenz
und Rom auf und kehrte 1773 nach Madrid zurück, wo er mehrere
seiner schönsten Werke, vorzüglich. Deckengemälde, verfertigte. 1775
begab er sich wieder nach R'o m. Seine Gesundheit wurde immer schwä-
cher. Zr arbeitete demungeachtet unablässig, wodurch seine Kränklichkeit
zunahm und er starb bereits den 29. Iuny 1779 zu Rom, wo ihm so-
wohl im Capitol als auch in der Peterskirche schöne Denkmahle gesetzt
wurden. M.'s Zeichnung war immer edel, richtig und gewählt, sein
größtes Verdienst bestehr in der (oft idealen) Schönheit der Form, seine
Composition und Gruppirung ist gewöhnlich edel, einfach und studirt,
nicht selren aber auch gesucht, ^»eine vorzüglichsten Werke sind: Vor
Allem sein Plafondgemälde im Speisesaal des königl. Palastes zu Ma-
dr id, die Vergötterung des Traj an und den Tempel des Ruhmes
darstellend, dann auch das Altarblatt: Die Himmelfahrt "Christi in der
königl. Capelle zu Dresden; die Madonna col dambino; Jacob's
Traum; der vielberühmte in Pastell ausgeführte Amor; Joseph von
Viterbo; Maria Magdalena; Jesus, Magdalena erscheinend; ein
8alvawr mundi; mehrere sehr schöne Frescogemälde in Italien und
Spanien, verschiedene Porträts :c. Die kaiserliche Gemäldegallerie im
Beloedere besitzt von ihm folgende Gemälde: Ein großes Altarblatt,
Maria mit dem Kinde; den heiligen Petrus, auf einem Stuhle
sitzend, und einige Porträts. Schatzenswerch sind auch seine belehrenden
Schriften über Kunst, unter andern geistreiche Ideen über die Werke
Raphael's, Correggio's und Tizian's enthaltend. Sie erschie-
nen gesammelt von Ritter d'Az ara unter dem Tileli' Opere di Anlo-
nio Ralaello Hlengs, primu pittore dclla Maesiü di Carolo I I I .
Re di 8pagna, 2 Thle. Bassano 1783. Außerdem erschienen noch:
Schreiben an Herrn Anton Pons, aus dem Italienischen, Wien
1773. — Gedanken über die Schönheit und den Geschmack in der Ma-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie