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des Ansehen. Prachtvoll sind die vielen palastahnlichen Landhäuser (Vil-
len)/ welche, in der ganzen Umgebung meistens mit großem Luxus er-
baut sind und von hier bis Padua fast einen einzigen zusammenhän-
genden Ort bilden. Des bestandigen Verkehres mit Venedig wegen,
gibt es sehr viele Gasthäuser in M.
Metastasio, pictro, kaiserl. Hofpoet in Wien. Trapassi
war der eigentliche Nahme dieses zierlichen und fruchtbaren italienischen
Dichter's des 13. Jahrhunderts. Er war 1693 in Rom geboren, wo
fein Vater von dein kargen Verdienste des Abschreibens lebte. Als er 11
Jahre alt war, veroffenbarte sich an ihm eine außerordentliche Neigung
zur Dichtkunst und Musik, und zwar in dem Grade, daß er im Stande
war, aus dem Stegreife Verse herzusagen und abzusingen. ' Er that
dieß oft in der kleinen Wohnung seines Vaters, und hier hörte ihn
einst im Vorbeygehen der berühmte Rechtsgelehrte Gravina. Er be-
wunderte nicht allein die Gedanken, sondern auch den Ausdruck dersel-
ben, die Leichtigkeit des Verses, die Stimme und ihre künstliche Mo-
dulation—und die Folge davon war, daß erden armen Knaben an Kindes
Stelle annahm. Von nun an erhielt M. eine seinen Talenten entspre-
chende Erziehung, so wie auch den griechische italienischen Nahmen Me-
tastasio. Gravil la schickte ihn nach Calabrien, um daselbst das Grie-
chische zu erlernen. M. brachte es in Kurzein in dieser Sprache so weit,
daß er schon im 13. Jahre den ganzen Homer in italienische Verse über-
setzen konnte. Er studirte die Classiker, und vorzüglich die dramatischen
Dichter Griechenlands. In seinem 14. Jahre schrieb M. seine erste Oper
il <^iu8tino , womit er große Sensation erregte. G r avin a verdoppelte
nun seine Sorgfalt für dl'e völlige Ausbildung desselben. Er nahm ihn
mit sich nach N ea pel, wo er ihn seinen Freunden als einen vortreff-
lichen Improvisators vorstellte. Man brachte es dahin, daß M. öffenr-
lich auftrat. Jedes ihm gegebene Thema bearbeitete er auf der Stelle
und trug es in Versen vor. In dieser Stadt empftng er auch' die min-
deren Weihen, oder die sogenannten nrdines ininores, und betrieb
dabey das Studium der Rechtsgelehrsamkeit. Der 1718 in Rom er-
folgte Tod seines Pflegevaters und Wohlthaters Gravina rief ihn da-
hin, um daselbst das einträgliche Amt eines Advocaten, welches ihm
durch Gravina's Tod zusiel, zu übernehmen. Auch in seiner neuen
Bestimmung wurde M. den Musen nicht untreu. Er dichtete mehrere
Opern, die das Entzücken der Italiener waren, und auch die Aufmerk-
samkeit des Auslandes rege machten. Kaiser Carl VI. berief den Dich-
ter 1729 mit einem Gehalr von 3/000 Gulden an seinen Hof, und er
wußte sich die Gunst des Kaisers in dem Grade zu erwerben, daß er sei-
nen Gehalt mit einer Pension von .2,000 Gulden vermehrte. Die Kai-
serinn Maria Theresia folgte dem Beyspiele ihres Vaters/ und
wies dem Dich-ter einen Gnadengehalt von 1,500 Gulden jährlich zu
Mailand an. Außer seinen vielen Opern, die grösitentheils von den
berühmtesten Meistern in Musik gesetzt wurden, hat M. auch um an-
dere Zweige der Poesie mannigfaltige Verdienste. Er lieferte eine große
Anzahl von Oratorien, kleineren Dramen, religiösen Handlungen,
Cantaten, Epitaphien, Sonnetten, Gesängen u. s. w., die, wenn sie
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie