Page - 74 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe See-V, Volume 5
Image of the Page - 74 -
Text of the Page - 74 -
Sondrio (Stadt). — Sonnenfels.
Sondrio (Sonders), lombard. Hauptstadt der gleichnahmigen
Delegation, mit 3,800 Einw., in einer schönen Gegend am Ausgange
des romantischen Thales Malenco, aus welchem der Maller ausströmt,
und sich bald darauf in die Adda mündet. Es haben hier die Delegation
und Provinzial-Congregation, und ein Civile Criminal- und Han-
delstribunal ihren Sitz; auch besteht hier ein Gymnasium mit einem
Knaben «Erziehungscollegium und Naturalien - Cabinet, eine Haupt-
und Madchenschule.
Sonnenfels, Ios. v. , Dr. der Philosophie und der Rechte,
Ritter des St. Stephan-Ordens, k. k. Hofrath beyder vereinigten böh-
misch-österr. und galizischen Hofkanzley , Viceprösident der k. k. Hof-
commiffion in polit. Gesetzsachen, Präsident der k. k. Akademie der bil-
denden Künste in Wien, (früher deren beständiger Secretar) und Mitglied
verschiedener auswärtiger gelehrter Gesellschaften und Akademien, war
zuNikolsburg in Mähren 1733 geboren. Sein Vater war Aloys
Wienner , ein Israelit und gelehrter Orientalist; derselbe nahm die ka,
tholische Religion an, war Ausleger der hebräischen Sprache inWien, und
wurde nach der Hand mit dem Beyworte v. Sonnenfels geadelt. Der
junge S. begann seine Studien bey den Piaristen in seiner Geburts-
stadt, absolvirte da die Humanioren, und empfing von dem fürstlich
Dietrichstein'schen Hause, unter dessen Schutz das Städtchen Ni-
kolsburg steht, viele Wohlthaten; auf die Philosophie verlegt? er sich
an der Universität in Wien , wurde Soldat zu Klagenfur t bey dem
Regiments Deutschmeister, blieb es durch 5 Jahre und trat als Unter-
offlcier aus. Er setzte darauf seine Studien fort, verwendete sich mit
ausharrendem Fleiße für die Rechtswissenschaften, wobey er dem treffli-
chen Vortrage des verdienstvollen Mar t in i sehr viel zu danken hatte,
und wohnte zugleich den Privatvorlesungen bey, die sein Vater verschie-
denen Ordensgeistlichen in den alten Sprachen gab. Er ward sodann als
Dollmetsch der hebräischen Sprache, worin ihn sein Vater wohlunter-
richtete, bey der niederösterr. Regierung demselben adjungirt. Er übte
sich in der juridischen Praxis bey dem geh. Rath und Hofrath der ober-
sten Iustizstelle, Grafen von Ha r t i g , durch 2 Jahre. Auf einmahl
setzte er die Rechte, durch die Briefe über die neueste Literatur zum
gründlichen Studium der deutschen Sprache und Literatur angereizt, bey
Seite. In seinem 28. Jahre wurde er Rechnungsführer bey der Arcie-
ren-Leibgarde, weil er anderwärts keine Aussicht fand, und seinem
unbemittelten Vater, der schon so lange für seinen Unterhalt gesorgt,
nicht weiter lästig seyn wollte. Der Freyh. v. P et rasch, General und
erster Lieutenant bey dieser Garde, legte den Grund zu seinem künftigen
Glücke. Er nahm ihn in fein Hausbaus, und als ein Mann von wissen«
schaftlicher Bildung, schätzte er die an S. bemerkten Fähigkeiten und
Kenntnisse sehr hoch. S., sein Untergebener, wurde als sein Freund und
zwar so behandelt, als gehöre er zur Familie. Petrasch empfahl ihn
dem würdigen Staatsrathe, Freyh. v. Bor ie , und dieser half ihm
weiter fort, und zwar, indem er die vorzüglichen Talente S.'s erprobt
hatte, so auszeichnend, daß er gleich (1763) als Professor der politischen
Wissenschaften an der Wiener Universität, ohne um diese Stelle ange-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie