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das Ballet zählte, besonders unter der kurzen Direction des kunstsinni-
gen Grafen Gal len'berg viel Vollkommneres. Im Frühjahr 1836
wurde dieses Hoftheater der Direction Mel l ier i 's übergeben, welcher
sehr bedeutende italienische Künstler für dasselbe gewonnen hat; auch die
deutsche Oper, welche seit einiger Zeit auf dteser Bühne ziemlich im
Verfall war, sieht bedeutenden Verbesserungen entgegen. — Das Thea-
ter an der Wien , in Hinsicht der Localität das schönste und größte
in W i e n , mit einer sehr breiten, besonders aber tiefen Bühne, steht
gegenwärtig unter der Direction des ehemahligen Schauspielers Carl
(s. d.). Hier werden vorzugsweise große Spectakel- und niedrig-komi-
sche Stücke gegeben, deren Auswahl durchaus auf keine höhere Stel-
lung Anspruch machen kann, und nur für ein sehr gemischtes Publicum
berechnet ist. Das Theater wurde 1799—1300 von Em anuel Schi-
kaneder (s. d.) erbaut, erfreute sich 1310—14 seines größten Glanz-
punctes unter der Directwn des kunstsinnigen Grafen Ferd. Pä l f fy ,
zu welcher Zeit es ausgezeichnete Talente, wie z. B. die Schröder, Lö-
we, Campi:c. , dann Grüner , Heur teur , Küstner u. a. zu
seinen Mitgliedern zählte. Von 1816—20 hatten sich die hier einge-
führten äußerst lieblichen Kinderballete (s. d.) großen Beyfalles 'md
zahlreichen Besuches zu erfreuen. Nach der in gewisser Hinsicht sehr
lobenswerthen Aufhebung derselben 1321, aber sank die Theilnahme des
Publicums an dieser Kunstanstalt merklich, der Versuch, sie zu einer
Opernbühne umzugestalten, mißlang größtentheils und erst der uner-
müdlichen Thätigkeit des jetzigen Directors, der freylich nichts unter-
läßt, um auf das große Publicum zu wirken, gelang es, wieder
Leben in die stockende Maschine zu bringen.— Theater in der Leo?
poldstadt, die eigentliche Wiener Localbühne, wurde 1730vonCarl
M a r i n el l i erbaut, und ist noch jetzt Eigenthum dessen Enkels Franz
v. M a r i n el l i . Indessen hat dieses Theater schönere Zeiten gesehen,
als die gegenwärtige, das ist nicht zu streiten, obschon es mehrere brave
Mitglieder besitzt, und noch immer seinen eigentlichen Beruf, Wiener
Volksrheater zu seyn, genügend erfüllt. Auch das Fach der allein auf
dieser Bühne einheimischen und beliebten Pantomime hat durch und seit
Raino ld i 's Abgang gelitten; ftoch haben sich noch immer einige wenige
wackere Mitglieder aus der guten Zeit erhalten; die Pantomime ist ge-
nügend besetzt, und seit einigen Jahren ziehen auch zur Winterszeit
Raimund's Gastspiele das Publicum an. Leider sind auch manche
Volksdichter, welche in früherer Zeit ihre gelungenen Leistungen aus-
schließend dieser Bühne widmeten, z. B. M e i s l , Gleich, beson-
ders 5 aber Bäuer le und Ra imund verstummt. Unter den neuen
Localdichtern zeichnet sich vorzüglich I. Sch ickh aus, welcher die
Bühne zumeist mit amüsanten Stücken versorgt. — Theare r i n
der Iosephstadt (s. Io sephstä dter-Th eater) steht gegenwär-
tig unter administrativer Verwaltung, und erhebt sich durch Schau-
spieler und Vorstellungen nicht eben viel über die Mittelmäßigkeit. —
I I . Theater in den Hauptstädten der Prov inzen. Den
ersten Rang behauptet M a i l a n d , welches 7 Theater zählt, das k. k.
Opernhaus della Scala, jenes der Canobbiana, de Carcano, Rö,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie