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dern findet man befriedigende Anstalten zur Douche, zumahl in den letztern
nicht nur Strahl-, Regen« und Tropf-Douche, sondern auch die auf«
steigende. Seit 9 Jahren ist in den Leovoldsbädern auch ein vollstän-
dig eingerichteter Apparat, um durch Erhöhung der Temperatur im
geschlossenen Raume das Badewasser in Dämpfe zu verwandeln, und es
in dieser Gestalt nach einem vom Arzte selbst anzugebenden Thermome-
tergrade entweder als Dampfbad im Dampfkasten auf den ganzen Körper,
oder die Extremitäten, oder als Dampfdouche anzuwenden. Die Heilkraft
dieser Dampfbäder steht in geradem Verhältnisse mit der Höhe der Tempe-
ratur und dem Gehalte an Schwefelwasserstoffgas. Hat nun die Natur
hier schon so viel gethan, so verdankt B. nicht weniger der Huld des
Kaiserhauses. Wohin das Auge nur blickt, trifft es Spuren des hohen
Sinnes für das Edle und Schöne: Die Wasserleitung, die B.'s
Bewohner mit frischem Trinkwasser versorgt, die Alleen in den Gaffen,
die lieblichen Anlagen, welche das reizende Helenenthal und die nahen
Berge schmücken, der Felsendurchbruch am Urthelstein, die herrliche
Weilburg mit ihrem neuerlich erweiterten blumenreichen Park. Oft be-
sprochen wurde der Mangel einer zweckmäßig eingerichteten Trinkanstalt.
Bis jetzt wurde das Wasser in kleinern und größern, bis zu 2 Seitel
haltenden Gläsern an der Quelle (Ursprungsquelle) geschöpft, und die
mit eil^ em leichten gläsernen Deckel verschlossenen Gefäße durch einen
12 Klafter langen Gang getragen, bis sie die Trinkenden in Empfang
nahmen, und nach Belieben bald schnell bald langsam leerten. Es ist
einleuchtend, wie sehr dadurch das Wasser an Kraft verlor, indem
nicht nur bedeutende Veränderung der Temperatur, sondern auch Oas-
verlust eintreten mußte. Mehrere Plane wurden der Prüfung von Sach-
verstandigen unterworfen. Gegen einen, nähmlich die Leitung des Was-
sers bis in die Mitte des Parks, sprach sich die Gesellschaft deutscher
Naturforscher und Ärzte bey ihrer Anwesenheit zu B. im September
1832 selbst aus. Im Laufe des Frühjahrs 1835 wurde nun die Trink-
anstalt gebaut, die Quelle selbst in geschlossenen Porzellanröhren durch
den 12" langen Stollen zu Tage gebracht, wo sie Nun frey in eine
Marmormuschel strömend, von jedem Bedürfenden mit eigenem Becher
aufgefaßt und getrunken werden kann, mit vollem Vertrauen auf die
ganze Heilkraft der Quelle, indem Sorge dafür getragen wurde, daß
dieselbe weder einen Verlust an Wärme, noch an wirksamen Bestand-
theilen und inwohnender Lebenskraft erleide. Große Bequemlichkeit ge-
währt den Badegästen der Sauerhof und der städtische Herzoghof, in-
dem in selben nicht nur für die Kranken dadurch gesorgt ist, daß sie,
ohne im Mindesten der äußern Luft sich auszusetzen, in geschlossenen
Gängen in das Bad gelangen und, aus demselben zurückkehren, son-
dern auch im Spätherbst und Winter in wohlgeheizten Zimmern woh<
nen, und so in der ungünstigen Iahrszeit die Bäder gebrauchen kön-
nen. Zugleich findet man im erstem eine Traiteurie und einen Con-
versationssaal, in welchem bey ungünstiger Witterung für die Unter-
haltung der Anwesenden durch Spiel, Musik oder Journal-Lectüre
gesorgt ist. Für solche Freunde B.'s, denen Schwefelbäder nachtheilig
seyn winden, ist durch die Vermehrung und zweckmäßige Einrichtung
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie