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B e n j o w s k y.
siens, die ihn nicht verließ, obgleich sie jetzt erfahren, daß er ver-
heyrathet sey, entfloh er aus Kamtschatka im May 1771. Seine
Absicht war, nach China zu segeln; statt dessen aber kam er nach vie-
len Mühseligkeiten, die er sowohl von der Natur als von seinen Leu-
ten zu erdulden hatte, nach der japanischen Insel Usmay Ligon; wo
man ihn überaus gut empfing. Er mußte den Insulanern das Verspre-
chen zurücklassen wieder zu kommen, und eine Colonie zu errichten;
ein Versprechen, das er auch nach seiner Zurückkunft aus China zu
halten gedachte. Er segelte nach der Insel Formosa, wo er sich selbst
durch die glänzendsten Anerbiethungen der französ. Regierung zur Anle-
gung einer Colonie nicht bewegen ließ, von seiner Reise abzustehen.
Endlich kam er nachM a ca o; hier wurden ihm von den Franzosen,Hol-
ländern und Engländern Vorschläge gethan. Da er die der Ersteren an-
nahm, so erkauften die Engländer einen Theil der Besatzung seines
Schiffes, und Stepanow, ein Russe, der schon früher mehrmahls
Meutereien zu erregen gesucht hatte, zettelte eine Verschwörung gegen
ihn an. Allein sie mißlang; Step an ow wurde mit 4000 Piaster ab-
gefertigt, und ging in holländische Dienste.
starben zu Macao am Fieber, unter denen auch Aphanasia war,.
Er kam endlich glücklich nach Frankreich, und wurde hier bestimmt,
auf der Insel Madagascar ein Etablissement anzulegen; ein Unter-
nehmen , dessen Schwierigkeit er selbst vorhersah, besonders da der
glückliche Erfolg desselben ganz von dem guten Willen der Beamten
aufIs le de France abhing, wohin er wegen des größeren Theiles
seiner Ausrüstung und Unterstützung verwiesen war. B. kam im Iuny '
1774 in Madagascar an, und betrug sich.,, trotz der Widerwär-
tigkeiten des Clima, und der Vernachlässigung, die er vom französi-
schen Ministerium erfuhr, standhaft und klug. Er gewann verschiedene
Nationen und Chefs. Mehrere derselben schickten feyerliche Gesandtschaf-
ten an ihn, und gaben ihm den Wunsch zu erkennen, ihn zu ihrem
König zu ernennen. B. nahm diese Anerbiethung an, behielt sich jedoch
vor, dem König von Frankreich verpflichtet zu bleiben, bis er seine
Entlassung von demselben erhalten habe. Dieser Fall trat bald ein,
französische Commissarien kamen nach Madagascar, welche jedoch
Befehl hatten, sich seiner Person zu bemächtigen, was aber mißlang.
Nachdem er endlich das Commando ganz niedergelegt hatte, wurde er
1776 feyerlich zum Ampansacaba oder König erklärt; die Weiber schwu-
ren seiner Gemahlinn (die er schon in Frankreich aus Ungarn hatte kom-
men lassen) den Unterwerfungseid. In der Folge erklärte er seinen
Vorsatz, selbst nach Europa zu reisen, um der Nation einen mächti-
gen Alliirten und Handelsaussichten zu verschaffen. Vergebens stellten
ihm seine Unterthanen vor, daß er seinen Tod suchen wolle. Es scheint,
beleidigter Ehrgeiz habe ihn angetrieben, Gelegenheit zu suchen, seinen
Gegnern die Gerechtigkeit seiner Sache unter die Augen zu stellen.
Bey seiner Zurückkunft nach Frankreich wurde er durch die Verfolgun-
gen des französischen Ministeriums genöthigt, in kaiserliche Dienste zu
zu treten, in welchen er jedoch nur 2 Jahre blieb, weil ihm der Kai-
ser zu seinem Plane nicht behülflich seyn konnte. Von da wandte er sich
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie