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vereitelten Friedens'nterhandlungen der Krieg. Steyermark, Kram
und Karnthen, die Erbländer des Kaisers litten schrecklich durch die ver-
heerenden Einfalle der Ungarn; der Kaiser mußte zuletzt die Rückgabe
der Festung Raab und einen Congreß bewilligen. Zuletzt endete ein
Waffenstillstand den Krieg mit dem Kaiser (1447) und H. kehrte unge-
stört seine Macht gegen die verhaßten Türken. Trotz der Warnungen des
Papstes und des servischen Despoten begann der Zug, und in den Ebenen
bey Cossovo (des Amselfeldes) entwickelte sich das Genie des von
dem Papste mit der Fürstenwürde beehrten ungar. Feldherrn und die
Tapferkeit seines Heeres. Aber am zweyten Tage unterlag das kleine,
in dem kritischen Momente von den Walachei! verlassene ungar. Heer
der feindliche Übermacht (l8. und 19. Oct. 1443), die Flucht allein
konnte das Leben des ungar. Heerführers retten. In Servien gefangen
und von dem Despoten beynahe an den Sultan ausgeliefert, erlangte
er dennoch auf Fürsprache der ungar. Stande seine Freyheit wieder,
und ging sogar mit dem Despoten und seinem Eidame, dem Grafen
von C i l l y , eine Familienverbindung ein. Lauter Jubel erhallte in
Ungarn über H.'s Befreyung; er stärkte den Muth der Seinen, stellte
feinen älteren Sohn als Geißel, und brachte dem Grafen C i l l y seine
persönliche Empfindlichkeit zum Opfer. Mit den Türken ward ein Waf-
fenstillstand geschlossen, und auch an dem Bündnisse der österreichischen
Stände, den König Ladis laus der langen Vormundschaft endlich
zu entreißen, nahm H. lebhaften Antheil. Aber der Anschlag, den
Prinzen auf seiner italienischen Reise zur Flucht zu vermögen, ward
vereitelt, und an den Urhebern bestraft; der Papst schleuderte voll Un-
willens seine Bannstrahlen auf die verwegenen Barone Österreichs, und
H. zauderte, bis Kaiser Friedrich sich dennoch nach seiner Rückkunft
zur Herausgabe des Prinzen genöthigt sah (1452). Freylich hatte H.
damit nichts gewonnen, denn Graf C i l l y , ein verworfener und laster-
hafter Mann, und seit lange ein erbitterter Feind des H.'schen Hauses,
bemächtigte sich sofort des Vertrauens des jugendlichen Königs. Nach
einem Winkel von Siebenbürgen sollte der verdienstvolle H. zurückge-
drängt, doch bis zu dem bequemsten Zeitpuncte noch geschmeichelt wer-
den. So legte H. vor seinem Könige die Statthalterschaft nieder, und
ward dafür zum Generalcapitän von Ungarn und Erbgrafen von B i-
stricz ernannt. Noch waren seine Freunde zahlreich genug, ihn gegen
die Nachstellungen Cil ly 's zu schützen. In seiner Würde bestätigt, schrieb
er einen Reichstag aus, traf kräftige Maßregeln gegen die Türken, und
eilte sofort, sie auszuführen. Erbrach mit der ungar. Hauptmacht in
die Bulgarey ein, drang bis Ternowa, schlug den Feind, mußte
sich aber zurückziehen, weil Graf C i l l y nach Ungarn einen Einfall
unternommen hatte (1454). Er kehrte nach Demüthigung dieses Fein-
des nach Servien zurück, zwang den Sultan Mah o met zur Aufhebung
der Belagerung von Semendr ia, nahm den türkischen Vezier gefan?
gen und drang von Neuem in die Bulgarey vor. Da unterbrach Graf
Ci l ly seine Siege von Neuem, und unternahm einen zweyten Ein-
fall in Croatien. Der Haß beyder Männer ward hiermit unversöhnlich.
Zu schwach, im offenen Felde einen so muthigen Gegner zu stürzen, berei-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie