Page - 246 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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zur Europäischen Union für Pflegekräfte erleichtert wurden. Diese beiden
Gründe wurden von mehr als der Hälfte der Pflegekräfte als sehr wichtig
eingestuft. Betrachtet man die Gründe, die durchschnittlich mit mehr als
3,5 bewertet wurden, zeigt sich, dass nur einer dieser Gründe - Bericht über
Erfahrungen in Österreich von anderen - das soziale Netzwerk im weiteren
Sinn in den Vordergrund stellt. Auch der ökonomische Faktor - besserer
Lebensstandard in Österreich - wurde als nicht so entscheidend angesehen.
Vielmehr sind es die institutionellen Gründe, wie soziale Sicherheit, Aner-
kennung der Qualifikationen, Möglichkeit, eine Arbeitserlaubnis zu bekom-
men, und das funktionierende Gesundheitssystem und damit im Gesamten
das Arbeitsumfeld, das entscheidend für eine mögliche Wanderung ist. Auch
hier kann wiederum auf den Aspekt der temporären Wanderung verwiesen
werden. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass die Möglichkeit, eine
Fremdsprache zu lernen, auch beruflich Chancen bietet, die sich vielleicht
später am heimischen Arbeitsmarkt ergeben. Nicht überraschend von die-
sem Blickwinkel aus ist, dass das soziale Netzwerk - in Form von Kollegen
und Familienangehörigen, die bereits in Österreich leben - eine untergeord-
nete Rolle spielt. Aufgrund der Nähe der beiden Länder zueinander bleibt
das Netzwerk in der Slowakei - unabhängig, ob temporär oder permanent
gewandert wird - erhalten, wodurch es auf die Migrationsentscheidung
selbst nur geringeren Einfluss hat.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die zukünftige Migration von
der Slowakei nach Österreich vor allem von der Entwicklung des Lohnes für
Pflegekräfte und der Entwicklung des Arbeitsumfeldes - auch im Zusam-
menhang mit den Karrieremöglichkeiten und der Entwicklung des Gesund-
heitssystems - abhängt. Beide Bereiche sind für Pflegekräfte sehr wichtig für
die Entscheidung, ob sie in Zukunft wandern möchten oder nicht. Demnach
ist vor allem in naher Zukunft für jene Pflegekräfte, die derzeit in der Slo-
wakei relativ wenig verdienen, Österreich eine mögliche Alternative, vor
allem dann, wenn Österreich seinen Arbeitsmarkt öffnet und weiterhin die
Beschäftigungsmöglichkeiten (siehe Kapitel 6.1.1 und Tabelle 40) gegeben
sind.
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien