Page - 248 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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und der Tschechischen Republik zu einem Ansteigen der erwerbsfähigen
Bevölkerung, also jenen zwischen 15 und 64 Jahren. Dies würde wiederum
dafür sprechen, dass gerade in den letzten 20 Jahren sehr wohl ein „demo-
grafischer Druck" gegeben war.
Ein weiterer Aspekt, der für die Wanderungsentscheidung relevant ist, ist je-
ner der Beschäftigung. Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet hier die
aktuelle Beschäftigungssituation. Die Analyse zeigt auf, dass gerade hier der
Anteil in Österreich am höchsten ist. Ein extremes Gegenbeispiel ist hier Bos-
nien und Herzegowina (siehe Tabelle 36). Relativiert wird diese Sichtweise
jedoch vor allem von der Tatsache, dass die Teilzeitbeschäftigung - haupt-
sächlich bei Frauen - in Österreich um ein Vielfaches höher ist als in den
anderen Ländern. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Pflegekräfte in Österreich,
die im Ausland ausgebildet wurden, vermehrt vollzeitbeschäftigt sind (siehe
Kapitel 5.3.6). Somit wird klar, dass trotz der unterschiedlichen Beschäfti-
gungsstrukturen in den Herkunftsländern und Österreich dies keine Barri-
ere darstellt. Pflegekräfte aus dem Ausland finden auch hier in Österreich
die Möglichkeit einer Vollzeitbeschäftigung. Dies stellt die grundsätzliche
Frage, inwieweit bessere Beschäftigungsmöglichkeiten in Österreich gege-
ben sind. Die Zahlen haben gezeigt, dass in den Herkunftsländern in der
Vergangenheit hohe Arbeitslosigkeit vorherrschte. Eine Ausnahme bildet,
wenn auch nur bedingt, die Tschechische Republik (siehe Tabelle 38). Dem
stehen offene Stellen in Österreich gegenüber. Aus individueller Sicht hat
sich dieser Grund vor allem für permanent migrierende Pflegekräfte nach
den historischen Brüchen herausgestellt. Dabei scheint es weniger entschei-
dend, ob die Beschäftigungsmöglichkeiten in einem Krankenhaus oder in
einem Alten-oder Pflegeheim gegeben sind (siehe Tabelle 68). Die zwei letzt-
genannten Aspekte spielen mehr für temporär migrierende Pflegekräfte eine
Rolle, die auch generell die besseren Arbeitsmöglichkeiten in Österreich als
Grund angaben (siehe Tabelle 67).
Weitere ökonomische Faktoren, die Bedeutung in der Migration haben,
sind die besseren Verdienstmöglichkeiten und der besserer Lebensstandard.
Ersteres zeigt sich vor allem aufgrund der großen Lohnunterschiede auf
Makro-Ebene. Dieses Argument kann auch in weiterer Folge auf Mikro-
Ebene bestätigt werden. Eine Ausnahme bilden hier die Migrationsströme,
die vor den historischen Brüchen stattfanden und im Speziellen von den
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien