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Pflegeroboter aus Sicht der Geriatrie
Zusammenfassend zeigte sich die grundsÀtzliche Akzeptanz, PraktikabilitÀt und
Bedienbarkeit eines solchen Assistenzroboters im Langzeiteinsatz in Privatwohnungen
von Àlteren Personen. Allerdings gab es bedeutende technische Limitationen, nicht
zuletzt durch das Ziel, ein leistbares System zu entwickeln. Diese technischen Grenzen
erscheinen jedoch bei entsprechendem Mitteleinsatz fĂŒr die Entwicklung eines weiteren
Prototyps grundsÀtzlich lösbar. Da viele der mechanischen und Sicherheitskomponenten
speziell weiterentwickelt werden mĂŒssen, ist die Leistbarkeit eines solchen Systems fĂŒr
durchschnittliche Privathaushalte in entwickelten IndustrielĂ€ndern erst bei einer GroĂse-
rienproduktion zu erwarten. Die Ăberwindung dieses âHenne-Ei-Problemsâ (also hoher
Preis wegen geringer Nachfrage und geringe Nachfrage wegen hohem Preis) stellt die
eigentliche Herausforderung dar und erfordert eine bedeutende mehrjÀhrige, nicht risiko-
lose Anfangsinvestition und einen âlangen Atemâ, die nur durch finanziell sehr potente
Technologiefirmen, groĂe im Bereich Pflege und Gesundheit tĂ€tige Dienstleister oder
durch Förderungen von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen aus öffentlichen
Mitteln aufgebracht werden können.
6.5 STRANDS zur UnterstĂŒtzung der Physiotherapie
Im Jahr 2013 starteten wir mit sieben weiteren Projektpartnern (FP7/2007â2013, Cogni-
tive Systems and Robotics, grant agreement n° 600623) das ĂŒber vier Jahre laufende Pro-
jekt STRANDS (Spatio-Temporal Representation and Activities for Cognitive Control
in Long-Term Scenarios), welches Software fĂŒr eine SCITOS G5 (Metrolabs Robotics,
Ilmenau, D), eine mobile Roboterplattform (siehe Abb. 6.3), entwickelte, die mit ver-
schiedenen spezialisierten Sensoren ausgestattet wurde, um Menschen sehen, erkennen,
diesen und anderen Hindernissen ausweichen, die Umgebung topographisch erfassen
und autonom in öffentlichen und halböffentlichen InnenrÀumen navigieren zu können.
Im Rahmen von Feldstudien erfolgten LangzeiteinsĂ€tze in einem BĂŒrogebĂ€ude
und im Foyer, in Warte- und Gangbereichen der Wiener Pflegeeinrichtung Haus der
Barmherzigkeit ĂŒber mehrere Monate. Neben Auskunfts-, Wegweiser- und Unter-
haltungsfunktion erfolgte auch ein Einsatz zur UnterstĂŒtzung der Ergo- und Physio-
therapie (Gerling et al. 2016), die neben kognitivem Training im Speziellen in der
Begleitung von Demenz-Nordic-Walking-Gruppen bestand (Hebesberger et al. 2016b),
siehe auch Videoclip (gisinger).
Die Langzeit-Stationierung eines autonom navigierenden Roboters im gesamten Erd-
geschoss der Pflege- bzw. Rehabilitationseinrichtung mit 350 Betten, 465 Mitarbeitern,
Ambulanzen und sonstigen Einrichtungen (z. B. Betriebskindergarten, Kaffeehaus,
SeminarrĂ€ume, Friseur) mit entsprechendem sehr geschĂ€ftigem FuĂgĂ€nger- und Roll-
stuhlfahrerverkehr stellte eine groĂe Herausforderung dar. Entsprechende AnsprĂŒche
ergaben sich daher fĂŒr die Entwicklung der Navigationssoftware, was durch die Model-
lierung von dynamischen Menschenmengen (Trautman 2013) und durch spezielle Zeit-
algorithmen bei der Navigationsberechnung (Kollmitz 2015) erreicht werden konnte,
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