Seite - 119 - in Pflegeroboter
Bild der Seite - 119 -
Text der Seite - 119 -
1196
Pflegeroboter aus Sicht der Geriatrie
Zusammenfassend zeigte sich die grundsätzliche Akzeptanz, Praktikabilität und
Bedienbarkeit eines solchen Assistenzroboters im Langzeiteinsatz in Privatwohnungen
von älteren Personen. Allerdings gab es bedeutende technische Limitationen, nicht
zuletzt durch das Ziel, ein leistbares System zu entwickeln. Diese technischen Grenzen
erscheinen jedoch bei entsprechendem Mitteleinsatz für die Entwicklung eines weiteren
Prototyps grundsätzlich lösbar. Da viele der mechanischen und Sicherheitskomponenten
speziell weiterentwickelt werden müssen, ist die Leistbarkeit eines solchen Systems für
durchschnittliche Privathaushalte in entwickelten Industrieländern erst bei einer Großse-
rienproduktion zu erwarten. Die Überwindung dieses „Henne-Ei-Problems“ (also hoher
Preis wegen geringer Nachfrage und geringe Nachfrage wegen hohem Preis) stellt die
eigentliche Herausforderung dar und erfordert eine bedeutende mehrjährige, nicht risiko-
lose Anfangsinvestition und einen „langen Atem“, die nur durch finanziell sehr potente
Technologiefirmen, große im Bereich Pflege und Gesundheit tätige Dienstleister oder
durch Förderungen von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen aus öffentlichen
Mitteln aufgebracht werden können.
6.5 STRANDS zur Unterstützung der Physiotherapie
Im Jahr 2013 starteten wir mit sieben weiteren Projektpartnern (FP7/2007–2013, Cogni-
tive Systems and Robotics, grant agreement n° 600623) das über vier Jahre laufende Pro-
jekt STRANDS (Spatio-Temporal Representation and Activities for Cognitive Control
in Long-Term Scenarios), welches Software für eine SCITOS G5 (Metrolabs Robotics,
Ilmenau, D), eine mobile Roboterplattform (siehe Abb. 6.3), entwickelte, die mit ver-
schiedenen spezialisierten Sensoren ausgestattet wurde, um Menschen sehen, erkennen,
diesen und anderen Hindernissen ausweichen, die Umgebung topographisch erfassen
und autonom in öffentlichen und halböffentlichen Innenräumen navigieren zu können.
Im Rahmen von Feldstudien erfolgten Langzeiteinsätze in einem Bürogebäude
und im Foyer, in Warte- und Gangbereichen der Wiener Pflegeeinrichtung Haus der
Barmherzigkeit über mehrere Monate. Neben Auskunfts-, Wegweiser- und Unter-
haltungsfunktion erfolgte auch ein Einsatz zur Unterstützung der Ergo- und Physio-
therapie (Gerling et al. 2016), die neben kognitivem Training im Speziellen in der
Begleitung von Demenz-Nordic-Walking-Gruppen bestand (Hebesberger et al. 2016b),
siehe auch Videoclip (gisinger).
Die Langzeit-Stationierung eines autonom navigierenden Roboters im gesamten Erd-
geschoss der Pflege- bzw. Rehabilitationseinrichtung mit 350 Betten, 465 Mitarbeitern,
Ambulanzen und sonstigen Einrichtungen (z. B. Betriebskindergarten, Kaffeehaus,
Seminarräume, Friseur) mit entsprechendem sehr geschäftigem Fußgänger- und Roll-
stuhlfahrerverkehr stellte eine große Herausforderung dar. Entsprechende Ansprüche
ergaben sich daher für die Entwicklung der Navigationssoftware, was durch die Model-
lierung von dynamischen Menschenmengen (Trautman 2013) und durch spezielle Zeit-
algorithmen bei der Navigationsberechnung (Kollmitz 2015) erreicht werden konnte,
zurück zum
Buch Pflegeroboter"