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Robotik in der Pflege aus pflegewissenschaftlicher Perspektive
Roboter – das sind autonome Systeme von menschenähnlicher Gestalt – wurden z. B. mit
Blick auf Aspekte der „Bedienbarkeit“ und der „sprachlichen Interaktion“ untersucht. Die
Probanden – darunter auch ältere Menschen, die zuvor noch keinen Kontakt mit Com-
putern hatten – äußern durchaus Interesse und Zufriedenheit mit den eingesetzten Sys-
temen (Louie et al. 2014; Ivari et al. 2013). Neben Humanoiden werden auch Roboter
in Tiergestalt bei Seniorinnen und Senioren eingesetzt. Systematische Literaturreviews
betonen hier das Potenzial zur UnterstĂĽtzung von Menschen mit Demenz. Hervorgehoben
wird die Möglichkeit einer Substitution von Tiertherapie durch robotische Systeme zur
Verbesserung von Kommunikation, zur Förderung von Unabhängigkeit, zur Steigerung
von Lebensqualität sowie zur Entlastung von pflegenden Angehörigen. Auch in diesem
Zusammenhang wird allerdings auf die begrenzte methodische GĂĽte der untersuchten
Studien verwiesen (Huschilt und Clune 2012; Mordoch et al. 2013). Campbell (2012)
konkretisiert, dass der Einsatz von Robotertieren die Kommunikationsfähigkeit von Men-
schen mit Demenz fördern könne, bei gleichzeitig verringertem Allergiepotenzial und
Pflegeaufwand im Vergleich zu lebenden Tieren.
Ă–ffentliche Aufmerksamkeit hat in Deutschland das System PARO erfahren, das
mittlerweile in der achten Generation verfĂĽgbar ist und nicht zuletzt die Diskussion um
den Einsatz von Emotionsrobotik im Umfeld demenziell erkrankter Menschen wesent-
lich stimuliert hat. Auf der Homepage www.parorobots.com lassen sich die kommerziell
eingefärbten Informationen zur Emotionsrobbe PARO nachlesen. Dort wird in Aussicht
gestellt, dass der Stresspegel bei Patientinnen und Patienten sowie auch bei Pflegenden mit
dem Einsatz von PARO reduziert und die Interaktion zwischen Patientinnen bzw. Patien-
ten und Pflegenden verbessert werden kann. Mit dem System soll Entspannung gefördert
und die soziale und psychische Situation insgesamt verbessert werden (Parobots 2017).
Aus wissenschaftlicher Sicht sind einige der verzeichneten Aussagen allerdings zu
relativieren. Unabhängig davon, ob PARO als Therapieroboter oder als sozio-assistives
System zu systematisieren ist, leidet auch dieses wohl meist beforschte System aus dem
Umfeld der Pflegerobotik darunter, dass die GĂĽte der vorliegenden Studien umstritten
ist: In wenig umfangreichen Studien wurden Fragen des Einflusses von PARO auf die
Lebensqualität und Lebensfreude von Probanden erhoben (Moyle et al. 2015, 2013),
Vergleiche mit weiteren robotischen Systemen angestellt (Robinson et al. 2013; Valenti
Soler 2015), der Einfluss von PARO auf physiologische Parameter von Probanden
gemessen (Robinson 2015) sowie Aspekte der Kommunikation und Interaktion in Kon-
texten der Verwendung des Emotionsroboters untersucht (Sung et al. 2015). In die-
sen Studien zeigen sich zwar ĂĽberwiegend positive Effekte des Robotikeinsatzes, die
erzielten Ergebnisse können jedoch in keiner Weise als repräsentativ bezeichnet werden
(vgl. Robinson 2015; Sung et al. 2015).
7.3.2 Servicerobotik
Robotische Unterstützung im sozio-assistiven Bereich ist von hoher Komplexität
geprägt, nachhaltige Wirkungsnachweise sind daher bislang nur schwer zu erbringen.
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