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Robotik in der Pflege aus pflegewissenschaftlicher Perspektive
im Zusammenhang mit neuen Arbeitsprozessen und Aufgabenverteilungen zwischen
Mensch und Maschine zu denken. Hinzu kommen sozialkommunikative Kompeten-
zen, die etwa in Kontexten der Pflegeberatung im Umfeld eines Technologieeinsatzes
von Bedeutung sind, aber auch emotionale Kompetenzen, etwa die Befähigung, im
Umgang mit emotionsstimulierenden robotischen Systemen professionelle Distanz
zu bewahren. Eine zentrale Kompetenz wird – sollte der Einsatz von Pflegerobotik
zukünftig tatsächlich zur Option werden – darin liegen müssen, dass Pflegende refle-
xiv zu einer situationsgerechten Verwendung der Systeme in der Lage sind, das heißt
also insbesondere entscheiden können, wann der Einsatz von Pflegerobotik gerecht-
fertigt und fachlich legitim ist, wann dies aber ggf. auch nicht der Fall ist. Heraus-
forderungen, auch darauf verweist die Studie „ePflege“, sind weiterhin im Bereich der
Forschungsförderung und der Technikentwicklung zu bewältigen: Ansätze einer partizi-
pativen Technologieentwicklung sind bereits seit längerem in Diskussion, müssen aber
insbesondere unter methodischen Gesichtspunkten konsequent weiterentwickelt wer-
den, um einen Paradigmenwechsel von der technischen zur soziotechnischen Innova-
tion zu erreichen und dabei auch den Ansprüchen einer technologischen Unterstützung
von komplexen „Pflegearrangements“ gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang
sind auch Ansätze einer prospektiven ethischen Bewertung des Robotereinsatzes in der
Pflege zu berücksichtigen (vgl. Depner und Hülsken-Giesler 2017).
7.5 Fazit und Ausblick
Das Thema Pflegerobotik gewinnt international wie auch in Deutschland an Bedeutung.
Der Entwicklungs- und Forschungsstand verweist dabei einerseits auf einen
unzureichenden Erkenntnisstand in Bezug auf die Rahmenbedingungen und die Effekte
eines Einsatzes von Pflegerobotik, andererseits ist aber deutlich erkennbar, dass die
spezifischen Charakteristika des professionellen pflegerischen Handelns als personen-
bezogene Dienstleistung bislang kaum angemessen adressiert werden. Dies kann ggf.
als ein Hinweis darauf gelesen werden, dass die massive politische Förderung von Pfle-
gerobotik in Europa letztlich nicht darauf abzielt, die spezifischen Bedarfe, Bedürf-
nisse und Besonderheiten in den verschiedenen Handlungsfeldern der Pflege (stationäre
Akutpflege, stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege) zu adressieren, sondern die
gesellschaftliche Debatte um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung
dafür zu nutzen, technologische Lösungsoptionen für soziale Problemlagen handlungs-
feldunspezifisch zu erproben. Für die Pflege und Pflegewissenschaft wird eine wichtige
Aufgabe darin bestehen, immer wieder auf die spezifischen Problemlagen und Besonder-
heiten in der Pflege zu verweisen und entsprechende Entwicklungen und Bewertungen
einzufordern, zu unterstützen und gesellschaftlich zur Diskussion zu stellen.
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