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Pflegeroboter
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1739 Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht … „Deutungsrepertoire“, das heißt über explorative Verfahren wie bspw. das der faszialen Ausdrucksanalyse, durch welches biografisch essenzielle Anliegen dieser Menschen erschlossen werden können. Inwieweit dieses in einer leiblich-sozialen Existenzweise des Menschen (u. a. Becker 2003) verankerte intuitive Vermögen auf epistemischer Ebene künstlicher Intelligenz in robotischen Systemen ersetzt werden kann, ist eine offene Frage. Wie verhält es sich mit „Lebensqualität“ als ethischem Bewertungskriterium nicht nur von pflegerischen Interventionen, sondern auch von installierten technischen Arte- fakten? Gemäß Lawton et al. (1996) beinhaltet das Lebensqualitätsmodell bei Demenz- kranken folgende Bewertungsdimensionen: a) räumliche Umwelt, b) soziale Umwelt, c) Betreuungsqualität, d) subjektives Erleben und emotionale Befindlichkeit. In dieser vier- ten Dimension sind Ansatzpunkte für einen legitimen Einsatz von Emotionsrobotern zu prüfen. Sie treten gewissermaßen in eine Konkurrenz mit originär pflegerischen Inter- ventionen. Dazu gehören: auf verbalsprachlicher Ebene gezielte Ansprache und Kom- munikation; auf nonverbaler Ebene visuelle, auditive und gustatorische Anregungen zur Förderung subjektiver Erlebnisfähigkeit und zur Vermeidung von Einsamkeit und Isolation. Ob hier von einer echten Konkurrenz gesprochen werden kann, könnte allein schon aus technologischen Gründen problematisiert werden. Von welchen Voraussetzungen ist beim Einsatz von Emotionsrobotern bei demenziell Erkrankten auszugehen? Ihren algorithmischen Basisfunktionen nach sind Emotions- roboter wie PARO auf reproduzierbare Verhaltensschemata orientiert und programmiert. Es ist ihnen nicht möglich, durch situative Bewertungen eine differenzierte Antwort im Sinne eines auf die persönlichen Gefühlslagen ausgerichteten Verhaltensangebots zu generieren. Sie sind nach rein behavioristischen Mustern und Oberflächenphänomenen menschlichen Orientierungs- und Aktionsvermögens konstruiert. Dies mag sich im Zuge eines zukünftigen Zuwachses an Lernfähigkeit künstlicher Intelligenzen, d. h. der kontinuierlichen Anpassung z. B. robotischer Systeme an ihre Umgebungen, ändern.4 Abgesehen von diesen aus einer technischen Bewertungsperspektive zu erörternden Fragen ergeben sich weitere Fragen aus einer empirisch-sozialwissenschaftlichen Pers- pektive. Zwar gibt es ‒ als Messergebnis auf rein behavioraler Ebene und mit metho- dischen Einschränkungen (häufig sehr kleine Fallzahlen) ‒ Hinweise auf vermehrtes kommunikatives Verhalten, Entspannung, verminderte Einsamkeitsgefühle, vermehrte neuronale Aktivität, verminderten Stress beim Einsatz von PARO bei Betroffenen sowie auf Entlastungseffekte beim Pflegepersonal (Robinson et al. 2015; Sung et al. 2015; 4Hochbedeutsam wäre dies, wenn PARO durch einen humanoiden Roboter ersetzt würde. Die Lernalgorithmen solcher Roboter würden verlangen, „dass Menschen mit ihm ‚wie mit Men- schen‘ umgehen“ (Decker 2010, S. 51). Das wäre im Falle von Demenzkranken deswegen aber verheerend, weil damit alle Maßstäbe eines professionellen Umgangs verletzt würden, welcher auf Fähigkeiten der Reflexion und der dadurch erst möglichen situativen Abstimmung des Verhaltens beruht.
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Pflegeroboter
Title
Pflegeroboter
Author
Oliver Bendel
Publisher
Springer Gabler
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Size
17.3 x 24.6 cm
Pages
278
Category
Technik
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Library
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