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Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen …
diese durch Robotik zu kompensieren, als jüngere Personen. Sie seien mit Computer-
technik weniger vertraut, misstrauischer und ängstlicher gegenüber neuen Technologien
und vertrauten weniger auf die Fähigkeiten von Robotern. In einer Studie zu einem
sozial-interaktiven Roboter, der den Blutdruck misst, war jedoch kein signifikanter
Unterschied zwischen den Altersgruppen unter und über 65 feststellbar (Kuo et al. 2009).
Einen Einfluss des Geschlechts sehen Broadbent et al. (2010) im Interesse an
Robotern. Frauen waren interessierter an der Interaktion und Verhaltensaspekten von
Paro, während Männer sich mehr für die technischen Aspekte interessierten. Diese
Unterschiede im Interesse konnten wir in Fokusgruppen ebenfalls feststellen. Beide
Geschlechter sind Robotik gegenüber nicht grundsätzlich negativ eingestellt. Männer
interessieren sich aber mehr für die technischen Fähigkeiten der Geräte und sind neu-
gierig, diese zu erfahren. Frauen neigten dazu, eher nach dem praktischen Nutzen zu
fragen. Bei Rekrutierungen, die wir in verschiedenen Projekten zu neuen Technologien
durchgeführt haben, war es meist einfacher, Männer für die Gruppen zu finden als
Frauen. In der oben erwähnten Studie von Kuo et al. (2009) waren Männer dem Blut-
druck messenden Roboter gegenüber signifikant positiver eingestellt als die Frauen.
Letztendlich stellt sich die Frage, ob die in Befragungen festgestellten Akzeptanz-
unterschiede von Alter als auch Geschlecht nicht eher erfahrungsbedingt sind. Vor-
erfahrung mit Technik als auch die spezielle Erfahrung mit der neuen Technologie
wirken sich stark auf die Akzeptanz aus.
Eine Kritik an den oben erläuterten Modellen ist die Vernachlässigung der Kultur.
Sie kann dem sozialen Einfluss zugerechnet werden, prägt aber nicht nur das Image einer
Technologie und die soziale Anerkennung der Nutzenden, sondern auch die Einstellung
des Nutzers oder der Nutzerin. Deutlich wird dies, wenn man z. B. Japan mit Europa ver-
gleicht. In Japan werden Roboter grundsätzlich positiv aufgenommen und als „beseelt“
wahrgenommen. In Europa begegnet man ihnen eher mit Skepsis, Angst und Abwehr
und fürchtet, dass die Maschinen die Kontrolle über den Menschen gewinnen könnten
(Lau et al. 2009).
13.7 Zusammenfassung
Grundsätzlich besteht in den verschiedenen Nutzergruppen ein Interesse an Robotik
und eine generelle Bereitschaft für den Einsatz, wenn verschiedene Bedingungen erfüllt
werden. Dabei sind die Anforderungen an die Funktionalität, Nützlichkeit und Benutzer-
freundlichkeit der Geräte und an die Rahmenbedingungen hoch. Ängste und ethische
Bedenken wie der befürchtete Verlust an zwischenmenschlichem Kontakt müssen ernst
genommen und Bedingungen für den Einsatz von Robotik in der Gesellschaft diskutiert
werden. Über den Einsatz in einer konkreten Situation muss jeweils individuell ent-
schieden und Alternativen müssen geboten werden. Positive Erfahrungen mit einer neuen
Technologie besonders im Hinblick auf Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit sind
ausschlaggebend für die Akzeptanz, die wiederum von zahlreichen anderen Faktoren
beeinflusst wird.
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