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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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scherHerkunft, dienichtnur ihrenGott, aberauch ihrVaterlandund ihreHerkunft ver- leugnethatten,als sie zuHandlangerndermenschenfeindlichenkommunistischen Ideolo- giegewordenwaren. (Schmidt2003,51) Auf der Museumswebseite heißt es ferner, dass die ungarischen Kommunisten 1945 in sowjetischen Panzern zurückkamen, um Rache zu nehmen dafür, was ihnen angetanwordenwar –womit ‚die Kommunisten‘Rév (2008, 65) zufolge implizit als Juden identifiziertwerden,während tatsächlich dieMehrzahl dieser JudenÜberlebendedesungarischenMilitärischenZwangsarbeitsdiensteswaren. Fernerwurdenzahlreiche JüdinnenundJudenebenfallsOpferdesstaatssozialis- tischenTerrors, etwaZionistInnensowiedie jüdischenMitgliederderkommu- nistischen, jedoch nicht moskautreuen Weishaus- und Demény-Fraktionen. (Ungváry2006,213–214;Shafir 2005;Horváth2008,271;Radonić2017, 282) DrittenskommennebendenzuKommunistInnengewendeten„ungarischen Nazis“undJudenauchjeneUngarn–etwainder„GaleriederTäter“mitPorträt- foto– vor, derenNachkommen, IvánPetőandTamásBauer, zumZeitpunkt der Museumseröffnung als liberale Politiker aktiv waren. Hingegenwerden ehema- ligePfeilkreuzleroderstaatssozialistischeTäter,derenFamilienmitgliederdem Museumsrat angehören, nicht auf diese Weise angeprangert. (Ungváry 2011, 222a;Radonić2020, 53)UndobwohldieStaatsicherheitdasHausseitden1950er JahrennichtmehralsFoltergefängniseinsetzte, reichtdieAusstellungbiszurGe- genwart: sie inkludiert Orbáns Rede anlässlich der feierlichen Neu-Beisetzung von ImreNagy imSommer 1989–wieauchkurioserweise seineRedeanlässlich derMuseumseröffnung2002.WährenddessenverlassenaufdenBildschirmenda- neben die sowjetischen Panzer gerade Ungarn –womit nahegelegt wird, dass OrbáneineentscheidendeRolle imUmbruchsprozessgespielthabeunddieAus- stellungtelelogischaufseinePersonhinzuläuft. (Radonić2017,283) Wie schon im litauischenMuseum der Genozidopfer werden ferner alle als Opferdargestellt,die imStaatssozialismusverfolgtwurden,darunterauchNS-Kol- laborateureundTäterausdemZweitenWeltkrieg, sofernsie„sacrificed their lives or freedominthefightagainstoppression“,wiees imGuideheißt. (Schmidt2008, 84).SowirdetwaZoltánBilkei-Pappander„WandderOpfer“gezeigt,der imJahr 1944bewaffnetesMitgliedderPfeilkreuzler-Brachialtruppewarund1945antisemi- tischeFlugblättermitdemTitel„Judenwelt inUngarn“verbreitete.Dafürwurdeer zumTodeverurteilt undhingerichtet.ÜberGyörgyDonáthverrät dieAusstellung nur, dass er imProzess gegendie ‚UngarischeGemeinschaft‘ zumTodeverurteilt wurde.DerProzesswar zwar einSchauprozess, hatte jedocheinen rationalen Kern: Die ‚Ungarische Gemeinschaft‘war eine rassistische Organisation, die keine JudenoderDeutschealsMitglieder aufnahm.Donáthverbreitete rassis- tischeundantisemitischeBroschürenund stimmte als Parlamentsabgeordne- ter fürdieEinführungder Judengesetze. (Ungváry2006,213–214) 198 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Title
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Subtitle
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Author
Ljiljana Radonić
Publisher
DE GRUYTER
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
338
Keywords
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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