Page - 209 - in Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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WojciechObtułowicz adaptiert wurde: ein 35Meter hoher Turmmit einer Pano-
rama-Plattformwurdeangebaut.141DirektorOłdakowski,zuvorStadtratsmitglied,
ist einKulturmanagerundPolitiker, der 2005 für die PiS ins Parlament gewählt
wurdeundsich2010derPiS-Abspaltung„Polen ist amwichtigsten“ (Polska Jest
Najważniejsza)anschloss.142
2004beidererstenEtappederMuseumseröffnungwarKaczyńskinochnicht
Staatspräsident und der postkommunistische Bund der Demokratischen Linken
(SLD)führtedieRegierungan,dochdasMuseumwareinewichtigeSäulederGe-
schichtspolitikderPiS-Partei.Mit demWahlsiegderPiS 2005wurdeeszu ihrem
Flaggschiff. DasMuseumkooperiertmit der Stadtregierungbei derOrganisation
vonVeranstaltungenüberdiepolnischeGeschichtspolitik, die imMuseumstatt-
finden. (Kurkovska-Budzan2006,139)NebenbiographischenMotivenKaczyńskis
ermöglichtedasMuseumauch
eine Institutionalisierung desMythos derWarschauer Erhebung. Dieser wiederum unter-
stützte ab 2005denGründungsmythos einer neuen, „ViertenRepublik“, der vonLechKa-
czyński als Präsident der Republik Polen und von JarosławKaczyński als Regierungschef
geprägtwurde:sichvomErbederVolksrepublikPolenabgrenzenundvondenantikommu-
nistischenUnabhängigkeitstraditionenausderZeitdesErstenundZweitenWeltkriegesbe-
einflussteVerhaltensmusterpropagieren. (Król2011, 185)
Das Museum strebt danach, eine wesentliche Rolle in der polnischen Gesell-
schaft zu spielen: „Erziehung undMeinungsbildung dienen zur Propagierung
eines bestimmtenPatriotismuskonzepts. Die Rolle eines nationalenHeiligtums
desPatriotismusbehielt dasMuseumauchnachKaczyńskisAbwahl:Dort leis-
tenFunktionärederSpionageabwehreinen feierlichenEidab.“ (Majewski 2011,
156)DemGuidezufolgehandeltessichumeinMuseum
particularlydefinedbypatriotism,attachment to freedom,andthe fight for independence.
[…] fromtheunsophisticatedfactoryfunction, itwasgivenapartiallysacredfunctionnear-
ly one hundred years later. This is not just amatter of the chapel, but also theWall of
141 DasKonzept stammtvonDirektor JanOłdakowski, demHistoriker PawełKowal, der Thea-
terwissenschaftlerin Lena Dąbkowska-Cichocka und Joanna Bojarska. (Wiącek 2012, 410) Das
AusstellungsdesignentwickeltendreiAbsolventenderPolnischenAkademiederKünste:Miros-
ławNizio,derauchdasMuseumimehemaligenVernichtungslagerBełzec,dasMuseumderGe-
schichtederpolnischenJudenunddasUlma-FamilyMuseumofPolesWhoSavedJewsinWorld
War II gestaltete, sowie JarosławKłaputundDariuszKunowski. (Rzeczpospolita, 31.7.2004) Ich
dankeKarolinaTrzynafürdieRechercheundÜbersetzungderArtikelausdemPolnischen.
142 Diesewurde2013 in„Polenzusammen“ (PolskaRazem) integriert, die sich2015 in„Polen
Zusammen–VereinigteRechte“umbenannteund2015wiederumeinWahlbündnismitderPiS
schloss.Seit2017heißtdiePartei„Einigung“ (Porozumienie).
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 209
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Title
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Subtitle
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Author
- Ljiljana Radonić
- Publisher
- DE GRUYTER
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 338
- Keywords
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918