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1944 von den Nazis zerstörten Königlichen Schlosses, doch die meiste Auf-
merksamkeit erhält derUmstand, dass die Sowjets sichnachdemKriegweiger-
ten, eswieder aufzubauen,was erst nach 1970durchdiePolnischeGesellschaft
möglichgemachtwurde. (Dąbkowska-Cichockaetal.2007a,55)
Der sowjetische „Verrat“undsowjetischeTäterInnenwerden inderAusstel-
lungmitvielmehrEmotiongeschildert als esbeidenNS-TäterInnenderFall ist.
(Abb. 40)Hitlerwird imGuide (Dąbkowska-Cichockaet al. 2007a) in siebenAb-
sätzenerwähnt, Stalin in 25Absätzen. ImVergleichmit denanderenhierunter-
suchten Museen wird deutlich, dass der postsozialistische Entstehungskontext
der Ausstellung, die kritische Abarbeitung am sowjetischenGeschichtsnarrativ,
denFokusbestimmt–unabhängigdavon,obdieMehrheitsbevölkerungwährend
der NS-Besatzung wie in den baltischen Ländern vergleichsweise wenige oder
wie impolnischenFall sehr viele Todesopfer zu beklagenhatte. BesucherInnen
erfahrenaberauchwichtigeFaktenüberdiesozialistischeScheinjustiz:16Anfüh-
rerdesfrüherenpolnischenUntergrundstaatswurdenineinemSchauprozessvor
Gerichtgestellt.
FrauenwerdenmehrfachalsAufständischegezeigt:BeidenTelefonzellenim
Erdgeschoss einedamals 16-jährigeKurierin, SanitäterinundSoldatin; eineVer-
bindungskraft und Sanitäterin des Parasol-Bataillons, die an der vordersten
Front gekämpft habe; sowie die einzige weibliche Kurierin für die Londoner
Exilregierung, die 1943mit den Fallschirm überWarschau absprang und im
Aufstand im„WomenMilitaryService“diente.BeidenBiographien inheraus-
ziehbarenSchubladenwirdLt. Coll.MariaWitekals ersteGenerälin impolni-
schenMilitär vorgestellt und inUniformabgebildet. Siewar seit 1939und im
Aufstand Befehlshaberin des „Women’s Auxiliary Service“. Auf einem Foto
einer Lubliner Soldateneinheit ist in der Mitte auch eine Frau zu sehen. Als
Heldin wird etwa Krystyna Krahelska „Danuta“ hervorgehoben, die für eine
neben ihrer Biographie im Museum stehende und in Warschau in der Zwi-
schenkriegszeitaufgestellteBüsteModell stand:
In1939shegraduated fromWarsawUniversitywithadiploma inethnography.Between
1936 and 1937 she posed for Ludwika Nitschowa, who sculpted theWarsaw „Syrena“
(„Mermaid“)Monument. In theundergoundshebelongedto theUnionforArmedStruggle–
HomeArmy. In Januaryof 1943 shewrotea famoussong–„Hej. chłopcy,bagnetnabroń!“
(„Fix the bayonets, boys!“) She participated in theWarsawRising: as amedical orderly in
„Jeleń“Division.Her platoonwas involved in attackon theHouseof Press at 3/5,Marszał-
kowska Street. After the unsuccessful assault „Danute“was trying to dress thewounds of
two insurgents at theMokotowskieField. Shewashit andbadlywounded in the chest.De-
spite surgery performedat night shedied in themorning ofAugust 2, 1944. Posthumously
shewasdecoratedwiththeCrossofValour.
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 217
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Title
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Subtitle
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Author
- Ljiljana Radonić
- Publisher
- DE GRUYTER
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 338
- Keywords
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918