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EinFotovondenKolonnennachderKapitulationzeigtFraueninUniform,weitere
zeigenZivilistInnenbeimVerlassenderStadt,dem„Exodus“.Darüberhinauswer-
den Frauen als Botinnen, sogenannte „Kanalfrauen“, sowie als Krankenschwes-
tern, LehrerInnen, beimFlickenvonUniformen,Verteilen vonEssenetc. gezeigt.
Als prominente Täterin istWandaWasilewskamit großemPorträt und einer
BiographiemitHammer-und-Sichel-Stempelvertreten:
Between 1934 and 1937 shewas amember of theHeadCommittee of the Polish Socialist
Party [PPS]. lnSeptember1939she left forLwów[Lvov],whereshepublishedpropaganda
lampoonsaboutPoland.She tookSoviet citizenship. In 1940she receivedmandate to the
Soviet SupremeCouncil. Sheworked in theMainPoliticalHeadquarter of theRedArmy.
Since June 1943 she was a chairwoman of the Main Committee of the Polish Patriots
Union.Sheco-organized the1stKosciuszkoDivision. In 1944shewasamemberof thePo-
lishCommunistsCentralBureauintheSovietUnion.Shewasanadvocate for the incorpo-
ration of Poland to the Soviet Union, co-organized the Polish Committee for National
Liberation[PKWN]andbecameitsVice-President.
(Dąbkowska-Cichockaetal. 2007a, 132)
Frauen werden also häufig als wichtiger Bestandteil des Aufstands oder als
Täterin,nichtnur in typisch ‚weiblichen‘Rollengezeigt.
Mitüber300visuellenElementenenthältderpolnischeMuseumsguideaus
2007 (Dąbkowska-Cichockaetal. 2007a)vonallenhieruntersuchtenKatalogen
bei weitem die meisten Fotos, Abbildungen von Objekten und Dokumenten.
ÄhnlichwiebeimHausdesTerrors dominierenmit über 170FotosAufnahmen
aus der Ausstellung– somit ist dieMuseumsinszenierung selbst imFokus der
Publikation. Auch die Aufnahmen aus demAußenbereich (Kapelle, Freiheits-
park,Aussichtsturm,Mahnmale) und indemTeil überdieEntstehungdesMu-
seumsderArbeitenamGebäude,demGebäudevordemKrieg, imKrieg,vorder
Renovierungundnachder Eröffnung sowie zahlreiche Fotos vondenEtappen
der Eröffnungsfeierlichkeiten und der Auszeichnungen für das Museum und
seineAngestellten bestätigen diesen Trend. Nur 18 der 301 visuellen Elemente
sindhistorische Fotos aus der Zeit des Aufstands undnach seiner Niederschla-
gung.DiesezeigenaufständischeStellungen,Kochaktionen,Marionettentheater,
religiöses Lebenund eineHochzeit. Ferner sind 17 individualisierende, nament-
lichAufständischenzugeordneteObjekteabgebildet.Darunter aucheinStück
Papiermit einem von der achtjährigen Barbara Sieroszewska für ihren Vater
verfasstenGebet.
Touchedby thisgesture,her fatherput thepaper inhiswalletwhichhecarried inhis left
breast pocket. Shot in combat, thebullet stoppedat thepaperwith theprayerwrittenon
itbyhischild.Hesurvived theRising–andnearly60years later, theauthorof theprayer
donated it to themuseumcollection: the raggededgeof the left-handcornerof thepaper
isa traceof thebullet thatmissedits target. (Dąbkowska-Cichockaetal. 2007a,58)
218 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Title
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Subtitle
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Author
- Ljiljana Radonić
- Publisher
- DE GRUYTER
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 338
- Keywords
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918