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AufgabenwiedasLöschenvonFeuern inoberstenStockwerkenunddasWegräu-
mennichtexplodierterBombeneingesetzt,während ihnenniemandWaffengeben
wollte. (Vgl. auchKossoy 2004, 338)Gut sichtbarheißt eshingegenaufderTafel
daneben: „Polish Jews whowere saved from extermination and hid inWarsaw
join the Rising. A large number – among them insurgents from theWarsaw
Ghetto– join theHomeArmy.“SiehtmansichdasVideo zurGänzean, ergibt
sichalsoeinvölliganderesBildals indieservereinfachendenErklärung.
Während im Laufe der Ausstellung verschiedene AkteurInnen, vor allem
Aufständische, in Schubladen, die die BesucherInnen herausziehen können,
mit Kurzbiographien vorgestelltwerden, steht in zwei zentralenBereichendas
kollektive Opfer im Vordergrund. ‚Die Polen‘, der Aufstand und das Museum
werden als eine organische Gemeinschaft begriffen, wennmitten imMuseum
über alle Stockwerke hinweg das „Herz“ des Aufstands in Form eines Monu-
ments schlägt, das die BesucherInnen vor allem zuBeginn imErdgeschoss zu
berühren angehalten werden. Das „schlagende Herz des kämpfenden War-
schaus“, wie es inAudioguideundKatalogheißt (Dąbkowska-Cichocka et al.
2007a, 61) gibt außerHerzschlägenauch „Aufstandsgeräusche“vonsich, „re-
creating the atmosphere of those days“, so die Erklärungstafel. Auch die zu-
nächst „unbesiegbareStadt“, die als ganze zudenWaffengegriffenhabeund
somit zur„kämpfendenStadt“wurde,wirdschließlichzur„sterbendenStadt“
Warschau– einkollektivesOpfernarrativ.ÜberdieZeit nachderNiederschla-
gungdesAufstandsdurchdieNationalsozialistInnenimSeptember1944heißtes
inderAusstellung:
Thecityslowlydied.Eventheautumnrainsandtheseverewinter that followedcouldnot
extinguish the smouldering ruins. TheGermansachieved their objective–notonly tode-
stroy Polish culture, but also to erase all its traces. The Soviet troops, stationed on the
other sideof the river, didnot takeanyaction to stop theGermans.Onceagain, theaims
ofHitler andStalin, deadly enemies, turnedout to coincide, as far as policy towardsPo-
landwas concerned. It was very convenient for the Soviet dictator that the ‚bourgeois‘
eliteof thenationbedestroyedandnotraceofprewarWarsawremain.
Hier werden „die Stadt“, „Polen“ und die „polnische Kultur“ als das größte
Opferdargestellt.
DerpolnischeUntergrundstaat imZweitenWeltkriegwirdimGuidewieselbst-
verständlichalsVertretungallerPolinnenundPolenvorgestellt:„thePolishState
schossen wurde, während sein Vorgesetzter nicht eingriff. Daraufhin hätte die Einheit des
Überlebenden Goldstein Uniformen undHelme bekommen, umnicht so leicht als Juden er-
kennbar zu sein.Heinemann (2013, 480)bezieht dasEdelman-Videonicht in ihreAnalyse ein
unddementsprechendkritischer fällt ihrBefundandieserStelleaus.
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Title
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Subtitle
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Author
- Ljiljana Radonić
- Publisher
- DE GRUYTER
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 338
- Keywords
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918