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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Gegendiskurse in der Arbeiter-Zeitung belegen Schaukals ideologisch durch- drungenesSchaffenalsDichterundLiteraturkritiker. Am19. Januar 1910parodierte dieselbe ZeitungSchaukals drei Jahre zuvor erschienenen, dialogisch konzipierten Kulturglossen Literatur und Giorgione. DieKritik ist dabei ebenfalls inFormeinesDialoges zwischeneinemMalerund einemSchriftstellerverfasst, ironisiert alsoSchaukals in fiktiverGesprächsform ausgebreiteten Paragone, der formalästhetisch auf die Renaissance verweist. Abgesehen von der Kritik, dass Literatur und Giorgione ihren eigenen Stand- punktunterlaufen,da siemit PhrasengegendiePhrase argumentierten, ärgert denRezensenten,dassSchaukal dasKunstreferat für einegroßeTageszeitunganstrebt. Erhielte er ein solchesübertragen, würde er zu einer Kalamität, zu einer Kunstgefahr, denn das Podium, von dem aus er danndemPublikumseineExpektorationenüberKunst zurufenwürde, gäbe seinenWor- teneineBedeutungundWirkung,diesieheuteglücklicherweisenochnichthaben.192 Woraufhin der fiktive Schriftsteller dem Maler zustimmt: „Damit mögen Sie recht haben und auch ich halte ihn zur Ausübung eines derartigenAmtes für nichtberufen,alsseierzu leichtfertig.“193 WährendZeitschriftenwiedieWienerRundschau,Vaterlandundvor allem DieReichspost zudenBefürworternvonSchaukalsDichtungzählten–undan- derewie dieNeue Freie Presse oder dieWiener Zeitung eine überwiegendneu- trale Position einnahmen –, gehörten die Arbeiter-Zeitung und insbesondere auchDerSturmzumideologischenwieästhetischenGegenlager.Dassdiepoliti- schenGrabenkämpfebis etwa1910auchSpielraumfürobjektiveArtikel gestat- teten, zeigt einewertschätzendeRezension vonSchaukals Schlemihle (1908) in der Jüdischen Volksstimme, deren Publikum sich hauptsächlich aus jüdischen Arbeitern zusammensetzte und die in ihren Beiträgen auch den Zionismus thematisierte.194 Dochdie (kultur-)politischenFronten,die sich inderErstenRepublik zuse- hends verhärteten, begannen sich bereits kurz vor Ausbruch und dann 192 A. R.–r.: Ein Gespräch über vier Bücher. In: Arbeiter-Zeitung, Nr. 18/1910 (19. Januar 1910),S. 1–2. 193 A. R.–r.: EinGesprächüber vier Bücher. Bereits drei Jahre zuvor hatteArmin Friedmann einenähnlichenformalenZuganggewählt,alser inderWienerAbendpostSchaukalsGiorgione inFormeines fiktivenDialogesbesprach;vgl.Friedmann:VomKunst-Dichter. 194 Siehe die Rezension vonDr.M. Scherlag: Erzählende Bücher. In: Jüdisches Literaturblatt. Beilagezu„JüdischeVolksstimme“,Nr. 28/1910(13. Juli 1910),S.9–10,hierS. 10. Informationen zumBlatt liefertAvrahamGreenbaum: [Art.] JüdischeVolksstimme. In: TheYIVOEncyclopedia of JewsinEasternEurope.http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Judische_Volksstimme (zuletztaufgerufenam31. Juli2019). 3 SchaukalalsObjektderKritik 139
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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