Page - 155 - in Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Image of the Page - 155 -
Text of the Page - 155 -
mache:„Eins freilichverstehe ichnichtganz:warumhateinKünstler IhrerGröße
und Überlegenheit eine solche Härte für die Jugend dieser chaotischen Zeit?
WarumhatnebenIhremNeinzurUnreifenichtaucheinewärmendeFreundschaft
fürdasschwerReifende(wiekönntees indieserZeitanderssein!)Platz?“245
DerKrystall-Verlag, beidemauchSchreyvoglGedichte veröffentlichte, setzte
mitdem1938publiziertenBekenntnisbuchösterreichischerDichter, indemüber70
AutorinnenundAutorendensogenanntenAnschlussÖsterreichsanNazideutsch-
land begrüßten, seinen unrühmlichen Schlusspunkt. Zu den Beiträgern, diemit
Schaukal (der darin nicht verzeichnet ist) in Kontakt standen, zählen neben
Sacher und Schreyvogl auchWilhelm Franke, Franz Karl Ginzkey (1871–1963),
Rudolf List (1901–1979), Max Mell (1882–1971), Franz Staude (1886–1947), Karl
HansStrobl (1877–1946),FriedrichWinterholler (1882–1945)und JosefWeinheber
(1892–1945).246
5 Vereine,VerbändeundOrganisationen
VordemErstenWeltkrieg erstreckte sich SchaukalsAgieren im literarischenFeld
inersterLinieaufdasdeutscheKaiserreich. ImGegensatzzuHofmannsthalwurde
ernicht indiebekanntenWienerSalonseingeführt,diezuBeginndes20. Jahrhun-
derts auch für Dichter von erheblicher netzwerkstrategischer Bedeutung waren.
ZwarstandermitMarievonEbner-EschenbachundFerdinandvonSaar inVerbin-
dung, doch begünstigten diese Kontakte keineswegs seine Karriere als Beamter
oderSchriftsteller.
In Schaukals Briefen anHugo Salus, HermannHesse undMax Brod kommt
dessenAbneigunggegeneigeneDichterlesungenundgegendiebloßeTeilnahme
andenVorlesungenandererDichter in literarischenGesellschaftenundKünstler-
vereinigungen immerwieder zurSprache.DochwährenderVortragstätigkeiten in
Österreich-Ungarnmied, reiste er für solcheZwecke sehrwohlnachDeutschland.
Besonders hervorzuheben ist hier HerwarthWaldens Einladung nach Berlin, die
denVerfasser des erfolgreich lanciertenAndreas vonBalthesser vor einDilemma
stellte.Walden bat Schaukal, am 28. November 1907 für den im Salon von Paul
Cassirer (1871–1926) zusammenkommenden ‚Verein fürKunst‘ausseinemDandy-
buch vorzulesen.247 Schaukals Antwort aufWaldens Schreiben vom 3. Juli 1907
blieb zunächst aus. Daraufhin wiederholte Walden am 15. Juli mit der Bitte
245 BriefSchreyvoglsanSchaukal, 16.Februar1926,S-NL,WB.
246 Vgl. Hall: Krystall-Verlag (Wien-Leipzig). Online: http://verlagsgeschichte.murrayhall.
com/?page_id=348(zuletztaufgerufenam31. Juli 2019).
247 Vgl.denBriefWaldensanSchaukal, 3. Juli 1907,S-NL,WB.
5 Vereine,VerbändeundOrganisationen 155
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik