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ImpressionistischeDichterkritikerwie Schaukal oderHofmannsthal vermengten
in ihrenRezensionendenÀsthetischenAnspruchmitElementendesGebrauchs-
textes (Literaturempfehlung)undbiographischenSelbstbespiegelungen.
Schaukal ist einBeispiel dafĂŒr, dassDichter zur Jahrhundertwendeden lite-
raturkritischenBereichÀsthetisiertenundaufdieKanonherstellungEinflussaus-
ĂŒbten. Hinzu kam, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts nichtmehr Kirche und
Adel, sonderndieZeitungdieneuenRegelnderKunst imliterarischenFelddefi-
nierte (dieauchökonomischeRegeln sind). Ein stabilerund imSinneAssmanns
bewahrenderKanonkonnte indiesemneukonstituiertenRaumnichtmehr von
Bestandsein.âAberdasbedeutetnicht,dassderautonomeAutorsichauĂerhalb
derTraditionunddesKanonsansiedelt, ganz imGegenteilmĂŒssen sichalleAu-
toren in dem situieren, was Bourdieu den âMöglichkeitsraumâ nenntâ, so Ralf
Zschachlitz, der an derselben Stelle hinzufĂŒgt: âEs ist von nun ander KĂŒnstler
selbst, der durch seine eigene Arbeit den normativen und kanonischen Wert
seinesWerkes gewĂ€hrleistenmussâ321 â und der sich in Traditionen stellt, um
selbst irgendwannals âklassischâzugelten,wiesichhinsichtlichSchaukalergĂ€n-
zen lieĂe.DiesemethodischeSelbstzentrierung,dieeinRingenumkĂŒnstlerische
Autonomie ist,undderBezugauf literarischeVorbildersind inSchaukalsschrift-
stellerischemWerk evident. Lyrik, Prosa undDrama stĂŒtzten sich auf leicht er-
kennbare Ideale ausRomantik, SymbolismusundBiedermeier; zudemverfasste
erNachdichtungenvonShakespeare (1564â1616),Verlaine,MauriceMaeterlinck
(1862â1949),Flaubertundanderen.
ImUmfangbescheidener fÀlltSchaukalsselbstÀndigephilologisch-editorische
TĂ€tigkeitaus,diesichaufnurwenigeAutorenvorallemdes19. Jahrhundertskon-
zentrierte, allen voranHeinrichHeine und E.T.A. Hoffmann. ChristianNeuhuber
hatdenWandelvonderVerehrungbis zumBruchmitHeine,diedamit einherge-
hendenantisemitischenImplikationensowieeineanKarlKrausorientiertesprach-
und kulturkritische Haltung Schaukals gegenĂŒber dem nach Paris geflohenen
Dichternachgezeichnet.322
Andersals imFalleHeinesbezeichneteSchaukalE.T.A.HoffmannZeit seines
Lebens alsWahlverwandten, ĂŒber den er dann auch gleich zwei biographische
Studien (1904, 1923) sowie die Einleitung zu den AusgewÀhlten Werken in acht
321 Zschachlitz: âKanonische Stillstellungâ, âSymbolisches Kapitalâ, âDialektik im Still-
standâ,S. 18â19.
322 Vgl. Christian Neuhuber: â . . . eine nicht unbedeutendeWandlungâ. Kulturkonservative
Heine-Rezeption am Beispiel Richard von Schaukals. In: Heine-Jahrbuch, Bd. 45 (2006),
S. 142â164.
174 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik