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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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ImpressionistischeDichterkritikerwie Schaukal oderHofmannsthal vermengten in ihrenRezensionendenästhetischenAnspruchmitElementendesGebrauchs- textes (Literaturempfehlung)undbiographischenSelbstbespiegelungen. Schaukal ist einBeispiel dafür, dassDichter zur Jahrhundertwendeden lite- raturkritischenBereichästhetisiertenundaufdieKanonherstellungEinflussaus- übten. Hinzu kam, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts nichtmehr Kirche und Adel, sonderndieZeitungdieneuenRegelnderKunst imliterarischenFelddefi- nierte (dieauchökonomischeRegeln sind). Ein stabilerund imSinneAssmanns bewahrenderKanonkonnte indiesemneukonstituiertenRaumnichtmehr von Bestandsein.„Aberdasbedeutetnicht,dassderautonomeAutorsichaußerhalb derTraditionunddesKanonsansiedelt, ganz imGegenteilmüssen sichalleAu- toren in dem situieren, was Bourdieu den ‚Möglichkeitsraum‘ nennt“, so Ralf Zschachlitz, der an derselben Stelle hinzufügt: „Es ist von nun ander Künstler selbst, der durch seine eigene Arbeit den normativen und kanonischen Wert seinesWerkes gewährleistenmuss“321 – und der sich in Traditionen stellt, um selbst irgendwannals ‚klassisch‘zugelten,wiesichhinsichtlichSchaukalergän- zen ließe.DiesemethodischeSelbstzentrierung,dieeinRingenumkünstlerische Autonomie ist,undderBezugauf literarischeVorbildersind inSchaukalsschrift- stellerischemWerk evident. Lyrik, Prosa undDrama stützten sich auf leicht er- kennbare Ideale ausRomantik, SymbolismusundBiedermeier; zudemverfasste erNachdichtungenvonShakespeare (1564–1616),Verlaine,MauriceMaeterlinck (1862–1949),Flaubertundanderen. ImUmfangbescheidener fälltSchaukalsselbständigephilologisch-editorische Tätigkeitaus,diesichaufnurwenigeAutorenvorallemdes19. Jahrhundertskon- zentrierte, allen voranHeinrichHeine und E.T.A. Hoffmann. ChristianNeuhuber hatdenWandelvonderVerehrungbis zumBruchmitHeine,diedamit einherge- hendenantisemitischenImplikationensowieeineanKarlKrausorientiertesprach- und kulturkritische Haltung Schaukals gegenüber dem nach Paris geflohenen Dichternachgezeichnet.322 Andersals imFalleHeinesbezeichneteSchaukalE.T.A.HoffmannZeit seines Lebens alsWahlverwandten, über den er dann auch gleich zwei biographische Studien (1904, 1923) sowie die Einleitung zu den Ausgewählten Werken in acht 321 Zschachlitz: „Kanonische Stillstellung“, „Symbolisches Kapital“, „Dialektik im Still- stand“,S. 18–19. 322 Vgl. Christian Neuhuber: „ . . . eine nicht unbedeutendeWandlung“. Kulturkonservative Heine-Rezeption am Beispiel Richard von Schaukals. In: Heine-Jahrbuch, Bd. 45 (2006), S. 142–164. 174 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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