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denwenigen, die Schaukals Tendenz zur Neuromantik, von der dieser sich
eigentlich lossagte,offenansprechendurften.Wahrscheinlichauchdeshalb,
weilKubinselbstPoe (1809–1849),HoffmannundWilliamBlake (1757–1827)
zu seinen „Wahlverwandten“ zählte,344 sich aber auchbemühte, die roman-
tische Ausprägung in eine „Kubinsche Klassik“ zu überführen, worunter
eineReduktiondesStils zuverstehen ist,dieauchaufeinensichverschlech-
terndenZustandseinerAugenzurĂĽckzufĂĽhrenwar:
[M]it demÄlterwerdenmacht sich eineWandlung inmeiner ganzenRomantik auf deut-
lichste bemerkbar. Das Problematische tritt immer mehr zurĂĽck, der Ausdruck strebt
immer reinereHarmoniean.– IcherlebeeinfachdieKlassikmeinerRomantikgewißund
sosolls sein:EineKubinscheKlassik!345
NachdemKubin Schaukals Kapellmeister Kreisler. Dreizehn Vigilien aus einem
Künstlerdasein erhalten hatte, schwärmte er: „In seiner Totalität ist esmir das
Liebsteunter IhrenWerken.Es isteminentschönundebensogroßeineneuzeit-
licheRomantikvonungewöhnlichemZauber.“346
SchaukalsVerbindungzuKubin regt zunetzwerktheoretischenĂśberlegun-
gen an, die– abgesehen von persönlichen Sympathien– erklären,warumge-
radedieserKontaktBestandhatte. InersterLiniesahSchaukal inKubinkeinen
Konkurrenten im literarischenFeld, obwohl dieser sichalsBuchillustratorund
Autornicht erfolglosdarinbewegte. Indenersten zwei Jahren ihrerBeziehung
nahm Schaukal die Rolle des verständigen Kunstkritikers ein, der Kubin von
seiner Expertise ĂĽberzeugen konnte. Das Vertrauen des KĂĽnstlers hatte
Schaukalmit einemam3. Januar 1903 inderWienerZeitungerschienenenAuf-
satz gewonnen: „Geradezu frappiert bin ichüberdies schlagend richtigeErfas-
senmeinerkünstlerischenPersönlichkeitundProduction“, schrieb ihmwenige
TagespäterKubin.347
Auf der Basis von Schaukals kulturellemKapital vertrauteKubin ihmsogar
InformationenüberdieBewertung („nachKlasse0und I“) unddenVerkauf sei-
nerGraphikenanundnutzte somit auchdasSozialkapital desMinisterialbeam-
ten (dieKontakte), umökonomischesKapital zugenerieren.348 Schaukal, der im
344 Vgl.Koweindl:AlfredKubinundRichardvonSchaukal,S.41.
345 Brief Kubins an Schaukal, 16. Dezember 1905, S-NL,WB. Das Zitat findet sich auch bei
Koweindl:AlfredKubinundRichardvonSchaukal,S.41.
346 Brief Kubins an Schaukal, 13. Juni 1906, S-NL, WB; Hervorh. im Orig. durch Unter-
streichung.
347 BriefKubins anSchaukal, 8. Januar 1903.DasZitat findet sichauchbeiKoweindl:Alfred
KubinundRichardvonSchaukal,S. 29.
348 Koweindl:AlfredKubinundRichardvonSchaukal,S. 30.
7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 179
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik