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ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts imAbstandvonwenigen Jahren regelmä-
ßigdienstlichbefördertwurde, frequentierte die geeignetenAbnehmerkreise. Er
selbst konnte in jenen Kreisen symbolische Statusgewinne verbuchen und den
KontaktzuKubin,deraufSchaukalsMittlerdienstevertraute, festigen.
Immer wieder diskutierten Schaukal und Kubin die Möglichkeit einer
Zusammenarbeit. Der Maler avancierte zu einem der gefragtesten Buchillus-
tratoren im deutschen Sprachraum, der unter anderem Ăśbersetzungen von
Poe undDostojewski (1821–1881) sowieWerke von ThomasMannund E.T.A.
Hoffmann graphisch gestaltete. Hoffmann ist die Konstante im Briefwechsel
zwischen Schaukal und Kubin, die Präferenz (Kognition) wirkte sich auf die
Netzwerkstrukturaus (KontaktzuanderenHoffmann-Enthusiasten)undgene-
rierteHandlungspläne (künstlerische Zusammenarbeit, die aber nie zustande
kam).
Der Ausbruch des ErstenWeltkrieges markierte fĂĽr Kubins Schaffen und
seinemateriellenErfolgeeineKrise:
Reinpersönlichbin ichaugenblicklich, undaufunbestimmteZeit hin,materiell ruiniert.
IchverdienekeinenPfennigalleWerkedie ichanVerlagegelieferthabesind in ihrerHer-
ausgabe auf unbestimmte Dauer verschoben, desgleichen alle Pläne, Absichten für die
Zukunft, auchForderungenundContrakte sind zur Zeit uneinbringlich.Meine 3Ausstel-
lungenwerdenĂĽberhauptnichtbesucht [. . .].349
VonAnbeginngeißelteKubindenKriegals„schrecklicheZeit“.350 ImApril 1915
schreibt er Schaukal: „Mir ist der Frühling verdorbendurchdengeistigenAas-
geruch den ich ĂĽberall wittere. Ich begreife nichts vomKrieg, kannĂĽberhaupt
kein Volk hassen und eswirdmir übelwenn ich näher nachdenkewie es zu-
geht.“351 Gleichwohl hatte er imVorjahr nochSchaukals kriegerischeGedichte
gelobt,352 die dieser auf denMarkt zu werfen begann. Sie waren als patrioti-
scher Akt gedacht, folgten aber auch einer merkantilen Strategie, die aus
SchaukaldannzuKriegsbeginn tatsächlicheinenvielgelesenenundbeiVeran-
staltungenoftvorgetragenenDichtermachten.
Am 1. November 1914 trat Kubinmit demaus der ökonomischenNotlage
geborenenVorschlag anSchaukal heran, einen illustrierten Sammelbandmit
349 BriefKubins anSchaukal, 19. September 1914, S-NL,WB;Hervorh. imOrig. durchUnter-
streichung.
350 BriefKubinsanSchaukal, 19.September1914,S-NL,WB.
351 Brief Kubins an Schaukal, 9. April 1915, S-NL, WB; Hervorh. im Orig. durch Unter-
streichung.
352 Vgl.denBriefKubinsanSchaukal 19.September1914,S-NL,WB.
180 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik