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ÜbergriffemiteinemlakonischenBekenntniszurPhilanthropie.361EinigeMonate
später reagierteBrodaufSchaukalsPolemik,der„jüdischeIntellektualismus“sei
eklektizistisch, mit einer Gleichsetzung von jüdischer Kunst und „deutscher
Gemütsromantik“.362
Indie JahredesBriefwechsels fallenentscheidendeVeränderungen inMax
BrodsSchriftstellekarriere, dieSchaukal, dermit ähnlichenberuflichenProble-
menhadertewieder inPrag tätigeKollege,nichtgleichgültig ließen.Brodquit-
tierte 1907 den Staatsdienst, widmete sich 1908 ganz seinem Roman Schloß
Nornepygge, gewannalsKritiker anBedeutungund trat schließlich regelmäßig
alsVortragender inErscheinung.363
Eine ähnliche Inversion der Rollen– vomBewunderer zumErfolgsautor–
ereignete sich imKontaktmit HermannHesse. Die ThemenHonorar, persönli-
ches Glück und Erfolg nahmen darin einigen Raum ein, was Hesse bisweilen
befremdete. Dies wirdmit Blick auf den Grund seinerWertschätzung für den
älteren Dichter plausibel; in der Sammlung Plauderabende (1897) beschreibt
Hesse,was ihnanSchaukal so faszinierte:
Schaukalwirdnie eine lauteMengeentzünden, seineVersewerdennie in’sLebengehen
und inHerzenundSchicksalegreifen.Siewollendasauchnicht.Sie liebenes,aufTeppi-
chenzugehen [. . .]. Lyrik fürLyriker.Kunst fürKünstler. Ich liebeSchaukaldeshalb [. . .].
Ein solcherKünstler entsagt vonAnfanganderLiebederVielen,dembreitenRuhm,den
begeisterten Rufen der Masse, [. . .] Schaukal ist jung und warmblütig und liebt das
Leben.Wiekönnteerunssonstsooftmalsmit süßbekanntenTönentreffen!364
Der Ruhm sei nicht ausschlaggebend für sein Dichterglück, so Hesse 1904 in
einemBrief an Schaukal, in dem er seinemösterreichischenKollegen in einer
ironischenPointedieHälfte seinerLeseranbot,umdanndasSchreibenmitder
eindringlichenBitte zu schließen: „BleibenSiemir gut!Warumsoll nicht auch
Ihnen irgend ein rascher Erfolg blühen?! Niemandwünscht diesmehr als Ihr
H.Hesse“.365
Schaukalmimte impostalischenGesprächdengeschäftskundigenSchriftstel-
ler, der sich, alsHesse seineEinnahmenoffenundbeinahegleichgültigmitteilte,
überdiegeringeSummewunderte.Undergestand,dasser„lautgelächelt“habe,
361 BriefBrodsanSchaukal, 29. Januar1907,S-NL,WB.
362 BriefBrodsanSchaukal,6.April 1907,S-NL,WB.
363 Vgl. indergenanntenReihenfolgederEreignissedieBriefeBrodsanSchaukalvom3.Ok-
tober1907,6.April 1908,11.Dezember1908und5.Februar1909,S-NL,WB.
364 HermannHesse: Plauderabende. In:Hesse: SämtlicheWerke.Bd. 1: Jugendschriften.Hg.
vonVolkerMichels.FrankfurtamMain2001,S. 115–141,hierS. 122–123.
365 BriefHessesanSchaukal, 11.September1904,S-NL,WB.
7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 183
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik