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DesWeiteren wurde die (nie realisierte) Herausgabe eines Musenalmanachs bei
Schuster&Löfflerdiskutiert, demVerlagneuromantischerAusrichtung,derunter
anderemauchLiliencron,DehmelundBierbaumpublizierte.396
Obwohl die Verbindung zwischen Schaukal undRilke ein symmetrischer
Austausch von zwar geringer Dichte, aber mit nicht unerheblichem Nutzen
für beideSeitenwar (Wissenstransfer undLiteraturkritiken), bliebdieKorres-
pondenzkühlundwurdebald schonvon literarischenMeinungsverschieden-
heiten getrübt. Die gemeinsamenBekanntschaftenmit HeinrichVogeler, den
Rilke inWorpswede besuchte, undmit der schwedischen Schriftstellerin und
Reformpädagogin Ellen Key (1849–1926) geben zwischen 1902 und 1905 An-
lass zu freundlichen, aberoberflächlichenGrußsendungen.WieauchThomas
Mann, der sich von der Verpflichtung entbinden ließ, eine Rezension über
Schaukal zu verfassen, klagte imSommer 1904der ebenfalls darumgebetene
Rilke:
Mir fällt dasSchreiben„über“mit jedemTagschwerer,derKreiswird immerkleiner,und
schließlichwird es nur zwei oder drei Dinge geben, über die ichmich zu schreiben ge-
trauenwerde,undunterdiesenDingenwerdenwohlkeineBücher sein.Aberwiegesagt,
ichwill esdiesmalversuchen.397
Ein Jahr späterwar die Pflicht dennoch erfüllt, Rilke besprach Schaukals 1904
im Insel-VerlagerschieneneSammlungAusgewählteGedichte inFormeinesof-
fenenBriefesaufzurückhaltende,einklaresUrteil scheuendeArtundWeise:
LieberHerr Schaukal [. . .],wenn ichauch– inder zweitenAbtheilung IhreBuches–wie
in einem Saal des Louvre ausruhe, jedesmal, wennmein Blick sich hebt, Bedeutendem
begegnend;wenn ich Ihnenauchdanke für allDaswie fürEtwas,dasSiegerademir ge-
geben haben, so weiß ich doch, lieber Herr Schaukal, – nein, ich weiß nicht, wer Sie
sind. IhrePersönlichkeit [. . .] entzieht sichmir.398
Nach dem Erscheinen der Kritik in HerwarthWaldens Zeitschrift Die Zukunft
sah Rilke sich verpflichtet, Schaukal einen erklärenden Brief nachzureichen:
„[J]eneFormdesoffenenBriefes [wurde] fürdieAnzeigegewählt,umanzudeu-
ten, daß es sichnur ummein allerpersönlichstesVerhältnis zu Ihnenhandelt,
ummeinUnvermögen,SiealsGestalt zuerkennenund festzuhalten,ummeine
Ungeschicklichkeit,wennSiewollen.“399
396 Vgl.denBriefRilkesanSchaukal, 18.Mai 1897,S-NL,WB.
397 BriefRilkesanSchaukal, 2.August 1904,S-NL,WB.
398 Rilke:AusgewählteGedichte.VonRichardSchaukal,S. 39.
399 BriefRilkesanSchaukal, 11.April 1905,S-NL,WB.
190 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik