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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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undtrugzurDistanzierungeinzelnerAkteuresowiezumAusschlussausKĂŒnst- lerkreisenbei. Die relationaleVerbindungderAkteure imNeuromantik-Zirkel ergab sich, wiedargelegt, unter anderemausderKommunikationĂŒbergemeinsamephilo- logische wie Ă€sthetische Interessen. Diese Relationen waren allerdings nicht frei vonSpannungen.DieKonflikte entzĂŒndeten sich zumTeil an Ă€sthetischen Fragen, denForschungsgegenstĂ€ndenundauch anwissenschaftlichenMetho- den inBezugaufDichterderRomantikundihreZeit. Sopflegte Schaukalmit demDresdner Schriftseller,Übersetzter undPhilo- logen Arthur Schurig ĂŒber zwei Jahrzehnte einen freundschaftlichen Briefver- kehr. Als Schurig aber 1920 Adelbert von Chamissos (1781–1838) Schlemihl in einer Edition herausgab, die erstmals der „Urhandschrift“ folgte, kritisierte Schaukal ihnĂŒberraschendheftig.Dabei störte denWiener Chamisso-Verehrer weniger, dass Schurig auf eine textkritische Edition verzichtete, als vielmehr der Umstand, dass der Herausgeber auf eine Handschrift aus dem Besitz des ErbenHelmuthRogge (1891–1976)zurĂŒckgegriffenhatte.Schaukalwitterteeine Kommerzialisierung Chamissos – und wahrscheinlich war er auch ein wenig neidisch,wollte er sichdochzurgleichenZeit selbst alsExperteundHerausge- ber romantischerWerkeprofilieren. Es istnichtganzklar,weshalbSchurigdasChamisso-ManuskriptohneRogges EinverstĂ€ndnis herausgebenkonnte.Der Erbe, selbst Philologe, veröffentlichte je- denfallszwei JahrespĂ€terden ‚Ur-Schlemihl‘.408SchurigbezeichneteseineEdition rĂŒckblickendals „Fehlgriff“, der ihn „öffentlich schwer geschĂ€digt“habe, under sorgtesichumeinevonSchaukalangedrohteZeitungskritik,dieeine„2.Seriedie- serAngriffe“eröffnenwĂŒrdeundihnumsein„tĂ€glichBrot“bringenkönnte.409 Auch das VerhĂ€ltnis zwischen Hans von MĂŒller und Schaukal war auf- grund unterschiedlicher methodischer Herangehensweisen belastet. MĂŒller warf Schaukal 1912 vor, er sei zu sehr Dichter und konzentriere sich zu stark auf die Biographie, um auch als Wissenschaftler vollauf gelten zu können. Schaukalverwendezuviele rhetorischeStilmittelundseinepersönlichenVor- liebenund subjektivenAnsichtenwĂŒrden ihnvonphilologischerObjektivitĂ€t undPrĂ€zisionablenken.410 408 Nikolas Immer undMatthias Glaubrecht: Peter Schlemihl als Naturforscher. Das zehnte Kapitel vonChamissosMĂ€rchenerzĂ€hlung in editionsphilologischer undwissenschaftshistori- scher Perspektive. In: Editio, Bd. 26 (2012), S. 123–144. Online: http://www.nikolasimmer.de/ ImmerN_A2012c.pdf (zuletztaufgerufenam31. Juli 2019). 409 BriefSchurigsanSchaukal, 20.April 1921,S-NL,WB. 410 Vgl. denBriefMĂŒllers anSchaukal, 29.Oktober 1912, in:MĂŒhlher:HansvonMĂŒller: eine PortrĂ€tskizze,S. 120–121. 7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 193
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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