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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 193 -
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undtrugzurDistanzierungeinzelnerAkteuresowiezumAusschlussausKünst- lerkreisenbei. Die relationaleVerbindungderAkteure imNeuromantik-Zirkel ergab sich, wiedargelegt, unter anderemausderKommunikationübergemeinsamephilo- logische wie ästhetische Interessen. Diese Relationen waren allerdings nicht frei vonSpannungen.DieKonflikte entzündeten sich zumTeil an ästhetischen Fragen, denForschungsgegenständenundauch anwissenschaftlichenMetho- den inBezugaufDichterderRomantikundihreZeit. Sopflegte Schaukalmit demDresdner Schriftseller,Übersetzter undPhilo- logen Arthur Schurig über zwei Jahrzehnte einen freundschaftlichen Briefver- kehr. Als Schurig aber 1920 Adelbert von Chamissos (1781–1838) Schlemihl in einer Edition herausgab, die erstmals der „Urhandschrift“ folgte, kritisierte Schaukal ihnüberraschendheftig.Dabei störte denWiener Chamisso-Verehrer weniger, dass Schurig auf eine textkritische Edition verzichtete, als vielmehr der Umstand, dass der Herausgeber auf eine Handschrift aus dem Besitz des ErbenHelmuthRogge (1891–1976)zurückgegriffenhatte.Schaukalwitterteeine Kommerzialisierung Chamissos – und wahrscheinlich war er auch ein wenig neidisch,wollte er sichdochzurgleichenZeit selbst alsExperteundHerausge- ber romantischerWerkeprofilieren. Es istnichtganzklar,weshalbSchurigdasChamisso-ManuskriptohneRogges Einverständnis herausgebenkonnte.Der Erbe, selbst Philologe, veröffentlichte je- denfallszwei Jahrespäterden ‚Ur-Schlemihl‘.408SchurigbezeichneteseineEdition rückblickendals „Fehlgriff“, der ihn „öffentlich schwer geschädigt“habe, under sorgtesichumeinevonSchaukalangedrohteZeitungskritik,dieeine„2.Seriedie- serAngriffe“eröffnenwürdeundihnumsein„täglichBrot“bringenkönnte.409 Auch das Verhältnis zwischen Hans von Müller und Schaukal war auf- grund unterschiedlicher methodischer Herangehensweisen belastet. Müller warf Schaukal 1912 vor, er sei zu sehr Dichter und konzentriere sich zu stark auf die Biographie, um auch als Wissenschaftler vollauf gelten zu können. Schaukalverwendezuviele rhetorischeStilmittelundseinepersönlichenVor- liebenund subjektivenAnsichtenwürden ihnvonphilologischerObjektivität undPräzisionablenken.410 408 Nikolas Immer undMatthias Glaubrecht: Peter Schlemihl als Naturforscher. Das zehnte Kapitel vonChamissosMärchenerzählung in editionsphilologischer undwissenschaftshistori- scher Perspektive. In: Editio, Bd. 26 (2012), S. 123–144. Online: http://www.nikolasimmer.de/ ImmerN_A2012c.pdf (zuletztaufgerufenam31. Juli 2019). 409 BriefSchurigsanSchaukal, 20.April 1921,S-NL,WB. 410 Vgl. denBriefMüllers anSchaukal, 29.Oktober 1912, in:Mühlher:HansvonMüller: eine Porträtskizze,S. 120–121. 7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 193
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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