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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Bahrs Sammelband, der auf die Tradition undWiedergeburt einer Jung-Wiener Dichtergenerationanspielte,mitdenleicht ironischenWorten: Wir haben in der That, meine ich, einen ganz eigenenWiener geselligen und geistigen Ton, von einem so bestimmten Kolorit, daß man von einer Wiener ‚Kunstrenaissance‘ schwĂ€rmt–alsobdasLeben imCafĂ©GriensteidloderPuchereinWirkenan italienischen FĂŒrstenhöfenwĂ€re [. . .].453 Andererseits war Bahr um 1896, als Schaukal bei ihm vorstellig wurde, noch damitbeschĂ€ftigt, seinWienerWirken inDeutschlandpublik zumachen,wozu ihm in erster Linie Journalisten dienen sollten, „die selbst zumKreis umBahr gehörten.“454WĂ€hrendseinerZeit inBerlin standFranzServaesunterdemEin- flussBahrs; vonWienaus instruierte erdenRedakteur,wiedessen1897 fĂŒrDie ZeitverfassterArtikel„JungWien.BerlinerEindrĂŒcke“angelegtseinsollte.455 SchaukalverfĂŒgtezudieserZeitwohl (noch)nichtĂŒberdieentscheidenden Kontakte und ausreichende Reputation impublizistischen Feld. Zudem trat er wĂ€hrend einer Phase der Ă€sthetischen und literaturkritischenNeuorientierung HermannBahrs andenKritiker heran. Die französisch angehauchteDekadenz Wiener PrĂ€gung hatte er bereits ĂŒberwunden, doch die konservativeWende– dieEntdeckungderProvinz-undBarockliteraturalsneueundzugleichaltekul- turelleParameter–nochnichtvollzogen.SchaukalverpassteBahrsĂ€sthetische Volte umwenige Jahre, die Kontaktaufnahme scheiterte– abgesehen vonper- sönlichenAnimositĂ€ten–wohlauchaufgrunddes falschenTimings. 8.3 HassliebeKaffeehaus:SchaukalundKarlKraus Ab1904 richteteSchaukal seinePoetikneuaus,wiedie 1906und1907heraus- gebrachtenWerkeGroßmutter,LiteraturundGiorgionebelegen. SpĂ€testensmit demebenfalls 1907 erschienenenAndreas vonBalthesser sei er „in dieHeimat der Seele eingekehrt“, so Schaukal rĂŒckblickend ĂŒber seine programmatische Abkehr vomÄsthetizismus.456 Doch in diesen Jahren der Orientierung reflek- tierte er den ausbleibenden Durchbruch noch nicht so abgeklĂ€rt. Am 22. Mai 1905beklagte sichSchaukalgegenĂŒber seinerMutter:„Dieeinflußreichengesi- cherten ‚satten‘Kreiseaberhaltenmichvon ihremZirkelab.“AlsGrĂŒndedafĂŒr 453 PaulWertheimer: Deutsches Kunstleben. IV.Wien. In: Die Gesellschaft, 14. Jg., H. 2 (Ja- nuar1898),S. 132. 454 Sprengel/Streim:BerlinerundWienerModerne,S. 108. 455 Vgl.Sprengel/Streim:BerlinerundWienerModerne,S. 104–105. 456 Schaukal:BeitrĂ€gezueinerSelbstdarstellung,S. 100. 8 WienerNetzwerke 203
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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