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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Ausscheiden aus vielen Feldern der sozialenWelt zu einer vomDichter immer wieder reflektiertenVereinsamung. NachHermannBahrsAuffassungkennzeichnedenmodernenSchriftstellerty- pus geradedieAbkehr von literarischenSchulen, Regeln oder Traditionen. Er er- kenne lediglich das Gesetz „seiner Nerven, seiner Sinne, seines Instinktes und seiner Subjektivität“ an.522 Der junge Schaukalwar von einer Superioritätsauffas- sung getragen, die ihn sein schriftstellerisches Können und Genie nicht infrage stellen ließ: Das schaffende Individuum erhebt sich selbst zum künstlerischen MaßallerDingeundstehtüberdenpoetologischenRegelnundZwängen,Schulen undKreisen,soSchaukalsgenieästhetischesIdealbildderKunstunddesKünstlers ansich,523denn„derDichterdarf alles“.524 In seinemGedicht„Herkunft“ töntdas lyrische Ich: „Sagemir einer, vonwem ich stamme! /MeineScheite lodern inEI- GENERFlamme, /AusMEINEMForst sinddieStämmegeschlagen, /MEINBoden hatseineBäumegetragen“.525 WieKrausundLoosreagierteauchSchaukalaufdieKrisenderZeitmiteinem besonderen Fokus auf den (männlichen) Genius, der sich gegen die zunehmend effeminierte Kunstentwicklung durchzusetzen habe.526 In seiner Selbstwahrneh- mungdürfte er sichalsokaumalsEpigonebetrachtethaben,höchstensalsÜber- lieferer kunstreiner literarischer Traditionen.DieAversionengegenLiteraturzirkel und Meisterfiguren (auch wenn er als junger Dichter der Aura Stefan Georges erlag)gehörtendabeizumfestenBestandteil seinesBekenntnisrepertoires.Als ihm ArnoHolz(1863–1929)dieLyrikdesDichtersGeorgStolzenbergalsdie„zurzeitun- mittelbarste“nahelegte, antwortete er, dieser repräsentiere für ihnnichtmehr als einen„Schüler“.527 Die literaturtheoretische und -ästhetische Zwischenstellung Schaukalsmani- festierte sichvor allemauch in seinerPoetik, die sichausden teils gegenläufigen Positionen vonArnoHolz (Naturalismus) und StefanGeorge (Symbolismus) syn- thetisierte.528DasumfangreicheBriefkonvolut belegt den regenKontakt zwischen HolzundSchaukal, der vor allemwährendder ersten fünf Jahredes 20. Jahrhun- derts bestand und mit Unterbrechungen bis in die 1920er Jahre fortdauerte. Schaukal fühlte sichmit demDichter undDramatiker geistig verbunden, ihmge- 522 JacquesLeRider:DasEndeder Illusion.DieWienerModerneunddieKrisender Identität. AusdemFranz.vonRobertFleck.Wien1990,S.34. 523 Vgl.Wicke:RichardSchaukalunddieLyriktheorieder Jahrhundertwende,S.82. 524 Schaukal:ArnoHolz. In:Das litterarischeEcho,5. Jg. (1902/1903),S.887. 525 Schaukal:Herkunft. In:VerSacrum,2. Jg.,Nr. 1 (Januar1899),S. 2. 526 Vgl.LeRider:DasEndeder Illusion,S. 162. 527 DiesgehthervorausdemBriefHolz’anSchaukal, 17.Mai1900,S-NL,WB. 528 Vgl.Wicke:RichardSchaukalunddieLyriktheorieder Jahrhundertwende,S.80–82. 220 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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