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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Ausnicht ganz uneigennĂŒtzigenGrĂŒndenwollte Schaukal, dass eine ganz be- stimmte Klasse nicht nur politische und gesellschaftliche Herrschaft ausĂŒbt, sondern auch kulturell dominiert und die Kunstproduktion beeinflusst. Die Verbindungvonpolitischer,wirtschaftlicherundkulturellerHerrschaft,wie sie vor der Ökonomisierung und Industrialisierung von Kunst bestanden habe, sollte restauriert werden. Nicht die Zeitung oder bĂŒrgerlicheMĂ€zene, sondern staatliche,kirchlicheoderadeligeFördergeberhĂ€ttendaskĂŒnstlerischeFeldzu strukturieren, um – so die kultur-, aber auch kapitalismuskritische Illusion Schaukals – Kunst vor einer kommerziellen Vereinnahmung zu bewahren. „Wahre Freiheit kann einemStaatswesennur ein bedeutender aristokratischer Staatsmann gewĂ€hren, der den Schwindel der falschen Freiheit, die verdum- mende Dogmatik des Zeilenliberalismus bis auf den seichten Grund durch- schaut [. . .]. Das Aristokratische ist unwiderleglich wie alles NatĂŒrliche“, so AndreasBalthesser ineinerDiktion,diemitAntonioGramscisBegriff desorga- nischenIntellektuellenkorreliert.547 ÄhnlichwieBourdieubezeichnet auchGramsci in seinen zwischen 1929und 1935verfasstenfragmentarischenGefĂ€ngnisheftendieentscheidendenAustragung- sorte fĂŒr Klassenkonflikte als ‚Felder‘.Wesentlich fĂŒr dieVerbreitungundUnter- stĂŒtzung einer Ideologie sei die Presse, nicht nur Zeitschriften und Zeitungen, sondern die gesamte literarische wie wissenschaftliche Publikationslandschaft, Bibliotheken–mandenkenurandie vonSchaukal soverachtetenLeihbibliothe- ken–,548Schulen,ClubsundZirkel.AuchFelderwiedieArchitektursiehtGramsci als IdeologietrĂ€ger, die zurDurchsetzungklassenspezifischer Interessenundzum Machterhaltbeitragen.549DamitsindBereicheangesprochen,die fĂŒrSchaukalvon grundlegenderBedeutungwaren. InVerbindungmitGramscisHegemonie-Begriff zeigt sich, dass derDichter, Kritiker undBeamte denWert der kulturellenDomi- nanzfĂŒreineangestrebtestĂ€ndestaatlicheOrdnungbegriffenhat. Der von den Faschisten inhaftierte neomarxistische Intellektuelle Gramsci suchtewĂ€hrendseinerGefangenschaftnachErklĂ€rungenfĂŒrdasAusbleibenre- volutionĂ€rerErhebungenzuBeginndes 20. Jahrhunderts indenwest- undmit- teleuropĂ€ischen LĂ€ndern. Er kam unter anderem zu dem Schluss, dass nicht nur ökonomische Bedingungen, sondern auch kulturelle Faktoren dieHeraus- 547 Schaukal:LebenundMeinungendesHerrnAndreasvonBalthesser. In:WE.Bd.2,S. 268. 548 Vgl. Schaukal: Zettelkasten eines Zeitgenossen. Aus Hans BĂŒrgers Papieren. MĂŒnchen 1913,S.38–39. 549 Vgl. Antonio Gramsci: GefĂ€ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe. 10 Bde. Hg. von Klaus BochmannundWolfgangFritzHaug.Hamburg1991–2002.Bd.2 (1991),H.3, §(49),S. 373. 226 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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