Page - 242 - in Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Image of the Page - 242 -
Text of the Page - 242 -
AnschlussaneinenderkulturellenSalons inWien,nochfrequentierteer regelmÀ-
Ăig einschlĂ€gige KaffeehĂ€user oder literarisch-kulturelle Zirkel, Gesellschaften
undVereinigungen.
Bourdieu begrĂŒndet die vonManet ausgelöste âsymbolischeRevolutionâmit
dessenĂŒberausgĂŒnstigerKapitalstruktur,die ihmeinengroĂenHandlungsspiel-
raum in den Feldern der sozialenWelt gestattete. KĂŒnstlerische RevolutionĂ€re
entstammenĂŒblicherweise einemprivilegierten,wohlhabendenMilieu; auf den
ersten Blick stelle dies ein âsoziales Paradoxonâ dar, so Bourdieu. Doch die
Durchbrechung althergebrachterWahrnehmungsmuster erfordere geradezu ein
umfassendes Kapitalvolumen, das oft nurmit der affirmativen Verankerung in
staatlichenStrukturenundbessergestelltenSozialschichtenzuakquirierensei.16
Hinzu kommt, dass KreativitÀt durch WahrnehmungsverÀnderungen freige-
setzt wird. Eine verÀnderte Perzeption ist in der Regel das Ergebnis von Kultur-
transfers,17 indieauchSchaukalzurZeitder Jahrhundertwendeeingebundenwar.
Informationen,Symbole,Praktiken,auchGegenstĂ€ndezirkulieren inâmultiplexen
Verfahrenâ,wodurchsiestĂ€ndigtransformiertundre-interpretiertwerden.18
Die multiplen Austauschbeziehungen fĂŒhrten bei Schaukal zwar zu keiner
âsymbolischen Revolutionâ, kennzeichnen ihn aber als Vertreter der Wiener
Moderne,die inbesondererWeisedurchTransferprozessegeprÀgtwar.Sowiedas
JungeWienbewegte sich auchSchaukal in einemdynamischenNetzwerk kĂŒnst-
lerischer Austauschbeziehungen, das nachHelgaMitterbauer aus vier Dimensio-
nen besteht: (1) Kulturtransferprozesse in Netzwerken ĂŒberbrĂŒcken rĂ€umliche
Distanzen, werden (2) von Akteuren oder Gruppen getragen, verlaufen (3) ĂŒber
einenicht linear oder chronologisch strukturierteDistanzund sind (4) vonunter-
schiedlichensozialen,kognitivenoder ideellenKonstellationenundwechselhaften
MachtformationengeprÀgt.19
Auf Schaukal ĂŒbertragenbedeutet dies, dass erdie technisch-medialenwie
infrastrukturellenMöglichkeiten nutzte, um sichmit kĂŒnstlerischen Akteuren,
Gruppen oder Institutionen in Frankreich, Italien, Deutschland, Ăsterreich-
Ungarn,undvorallemdezidiert inWien,auszutauschen(1und2).DieTransfers
waren von unterschiedlicher Dauer beziehungsweise wurden zum Teil auch
nach Jahren der Unterbrechung wieder aufgenommen (3). Kognitive VerÀnde-
rungen spielten gerade fĂŒr Schaukals Netzwerkagieren und seinen Austausch
einewesentlicheRolle. LiterarischeBewunderung schlug inDistanzierungoder
16 Bourdieu:Manet,S. 24.
17 Vgl.Karl-HeinzBrodbeck:EntscheidungzurKreativitÀt.Darmstadt1995.
18 HelgaMitterbauer:DynamikâNetzwerkâMacht.KulturelleTransfersâambesonderenBei-
spielâderWienerModerne. In:Ent-grenzteRĂ€ume,S. 109â130,hierS. 111.
19 Vgl.Mitterbauer:DynamikâNetzwerkâMacht,S. 113.
242 ZusammenfassungderErgebnisse
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik